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 Das erste Mal

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Enrico
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BeitragThema: Das erste Mal   Sa Jan 08, 2011 12:42 pm

Das erste Mal
“Kalt so kalt!”, murmelte Enrico schon die ganze Zeit vor sich hin, beinah so wie ein Gebet. Seit sein bester Freund ihn aus dem zugefroren Fluss gezogen hatte, stach ihn die Kälte wie tausend Nadeln. Dabei hatten sie sich schon vor dem Schneesturm in ein leer stehendes Haus zurück gezogen. Selbst die Decke, die sein Freund irgendwo auf dem Dachboden gefunden hatte, wollte ihn nicht wärmen. Eng hatte er sie um sich geschlungen und zitterte noch immer am ganzen Körper. Dabei hatte Enrico die nassen Sachen schon ausgezogen. Auf einem großen Haufen lag alles, was er angehabt hatte, neben ihm. Dieser verdammte Fluss. Warum hatte das Eis nur unter ihm nachgeben müssen? Wäre die Eisdecke dicker gewesen wäre gar nichts passiert.
“Kalt!”, bibberte Enrico mit klappernden Zähnen weiter, während von seinen blonden Haaren noch immer Wassertropfen auf den staubigen Boden fielen. Ein Wunder das sie nicht gleich an seinen Haaren festfrohren. Wie er den Winter hasste, ganz besonders seit er auf der Straße lebte. Was hätte er jetzt für eine Heizung und einen heißen Tee gegeben?
Aber hier gab es nur sie beide und eine verdreckte Decke. Noch enger zog Enrico den Stofffezen um sich, dann wanderte sein Blick auf Toni. Vor einem der zwei Fenster des kleinen Raumes, in den sie sich zurück gezogen hatten, stand sein bester Freund und sah nach draußen. Noch immer stürmten die Winde um das verfallene Haus. Wie Geister heulten sie durch das undichte Mauerwerk. Irgendwo in den Stockwerken über ihnen schlugen die Türen auf und zu. Was für ein gespenstiger Ort. Aber bei dem Schneetreiben draußen konnten sie sich auch nicht vor die Tür wagen. Ihre ganze Welt lag begraben unter zweimeterhohen Schneewehen. Er wäre sofort erfroren. Andererseits musste er das nun hier ganz langsam tun. Warum hatten sie nicht ein Haus voller Kissen und Decken erwischen können?
Seufzend wand Enrico seinen Blick vom Fenster ab. Was für ein beschissener Tag.
“Ich geh noch mal raus und besorg uns was trockenes zum anziehen und ein paar Decken!”, entschied Toni auf einmal. Erschrocken sah Enrico ihn an. Das war nicht sein ernst, oder? Bei seiner Rettung war auch Tonis Jacke und das T-Shirt, das er darunter trug, nass geworden. Eng klebte es an seinem Körper. Er würde bei dem Sturm da draußen erfrieren. Als Toni sich in Bewegung setzte, seine Schritte an ihm vorbei führte, packte sich Enrico seine Arm und hielt ihn fest. Er würde ihn nirgendwo hin gehen lassen.
“Du wirst schön hier bleiben!”, wies er ihn ernst an.
“Dann erfrieren wir beide!”
“Immer noch besser als jeder für sich allein!” Schon allein der Gedanke das Toni irgendwo im Schnee liegend erfror, ganz allein auf der Straße, war schmerzlich. Da war es besser sie blieben hier und teilten sich die Decke. Mit einem kräftigen Ruck zog Enrico seinen Freund zu sich auf den Boden, auf dem er im Schneidersitz saß. Sie konnten sich doch gegenseitig wärmen, oder? Als Enrico die Decke um sich löste und sie um sich und seinen Freund legte, kam er sich schon fast wieder blöd dabei vor. So ganz ohne Klamotten.
“So und nun?”, musste Toni auch noch dumm fragen. Verlegen begann Enrico sich am Hinterkopf zu kratzen.
“Wir wärmen uns gegenseitig?”, brachte er nur mit einem schelmischen Schmunzeln auf den Lippen heraus. Was Toni jetzt wohl von ihm dachte? Sein Gesichtsausdruck war so misstrauische und seine nassen Klamotten so kalt. Ob Enrico ihn wohl dazu bringen konnte die auszuziehen?
“Du versuchst doch jetzt nicht etwa schon wieder irgendwelche Annäherungsversuche oder?” Noch misstrauischer wurde Tonis Blick bei jedem Wort, das er sprach, während Enrico sicher rot angelaufen wäre, hätte noch irgendwo Wärme in seinem ausgekühlten Körper gesteckt. Als wenn er sich einen Annäherungsversuch getraut hätte und was sollte das Wieder? Nur weil er Toni mal völlig betrunken einen Kuss aufgedrückt hatte? Das hatte doch gar nichts zu bedeuten gehabt, oder?
“Ich doch nicht!”, schmunzelte Enrico über sich selbst und zog den Reisverschluss an Tonis Jacke auf.

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