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 10. Kapitel ~Mitgefühl~

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Enrico
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BeitragThema: 10. Kapitel ~Mitgefühl~   10. Kapitel ~Mitgefühl~ EmptyFr Sep 13, 2019 5:06 am

10. Kapitel
~Mitgefühl~

Jonathan packt die Kette, er zieht mich ganz nah zu sich und schaut mich ernst an. „Du sagst kein Wort, haben wir uns verstanden?“, sagt er leise aber in einem harschen Tonfall, „Egal was er verlangt, du tust es einfach, ohne Fragen zu stellen. Wenn du mir das hier versaust, rede ich nie wieder ein Wort mit dir!“
Ich bekomme einen großen Kloß im Hals, schwer schluckend nicke ich. Nichts sagen, das dürfte ich hinbekommen. Hoffentlich verlangt der Mann auch nur Dinge, die ich verstehe. Ich will Jonathan wirklich nicht seinen großen Tag vermasseln.
Der Fürst führt uns in eines der Zimmer. Wir treten ein und er schließt die Tür nach uns.
Durch ein großes Fenster, uns direkt gegenüber, kann man die Sonne untergehen sehen. Sie bringt das Zimmer noch ein letztes Mal an diesem Tag, in warmen Farben, zum Strahlen. In der Mitte steht ein großes Bett, mit einem Himmel drum herum. Es ist mit schneeweißen Leinen bezogen, in dem wunderschöne Blumen eingestrickt sind. Im ganzen Raum durftet es nach Rosen. Rechts und links auf den Nachttischen stehen große Vasen, in denen Blumensträuße hergerichtet sind. An der linken Wand steht eine Kommode, über ihr hängt ein silberner Spiegel. In der Kommoder der rechten Seite ist ein Spülbecken eingelassen. Daneben steht eine Keramikkaraffe und einige Tücher und Lappen. Auf dem Stapel Handtücher liegt ein großes Stück Seife.
Das Zimmer erinnert mich an das Gemach meiner Mutter. Mir ist beinah so, als wenn sie gleich zur Tür herein kommen wird und mich ausschimpft, dass ich hier bin.
Karl geht weiter bis zum Rand des Bettes und setzt sich, die Beine spreizt er auseinander. Jonathan lenkt er so, dass der direkt vor ihm stehen bleiben muss. Auffordernd sieht er den Jungen an.
Jonathan nickt und geht auf die Knie. Er greift dem Mann in den Schritt und schiebt den Rocksaum hinauf, die Beinlinge zieht er herab bis das Untergewand zum Vorschein kommt. Er entblößt den Fürsten so lange, bis sein Glied frei liegt.
Ich lege den Kopf schief und schaue ihm über die Schulter dabei zu. Wenn der Mann auf den Donnerbalken muss, dann sind wir hier doch eindeutig im falschen Zimmer. Ich muss schwer an mich halten, meinen Gedanken nicht auszusprechen und nicht wieder einer meiner Fragen zu stellen. Stattdessen verschränke ich die Arme hinter dem Rücken, beiße mir auf die Unterlippe und drehe mit meiner großen Zehe Kreise auf dem runden Teppich.
Jonathan beugt sich über den Schritt des Mannes. Mit dem Mund küsst er die Spitze des Gliedes.
Ich schaue ihn mit großen Augen an. Mich schüttelt es bei dem Gedanken, dass der Fürst damit ja Pinkelt. Schon wieder begreife ich den Sinn hinter all dem nicht und muss mir einmal mehr auf die Lippe beißen, um nicht zu fragen.
Jetzt nimmt Jonathan das Glied sogar in den Mund.
Ein Schauer des Ekels ergreift von mir Besitz, ich schaue weg und dem Fürsten lieber ins Gesicht. Der Mann hat die Augen geschlossen, mit den Armen stützt er sich in die Matratze, den Kopf hat er zurückgelegt. Er sieht entspannt aus, auf seinem Lippen liegt ein zufriedenes Lächeln, als wenn es kein schöneres Vergnügen, als diese gäbe.
Ich wende mich von den Beiden ab und betrachte meine Zehen. Das alles ist mir zu langweilig, also drehe ich weiter meine Kreise auf dem Teppich. Hoffentlich sind wir hier bald fertig. Ich habe immer noch Hunger, mein Magen knurrt leise. Ob es nach dieser seltsamen Arbeit, auch wieder eine Schüssel voll Brei gibt?
„Gut Junge, das reicht!“, sagt der Fürst. Er schiebt Jonathan an den Schultern von sich und erhebt sich. Beim Aufstehen steigt er aus seinen Beinlingen und dem Untergewand, das sich um seine Knöchel gesammelt hat. Sein Glied steht ganz starr nach vorn ab.
Ob das weh tut? Sicher hat Jonathan etwas falsch gemacht und muss deswegen aufhören. Hat er seinen großen Tag nun selbst ruiniert?
Jonathan schaut unruhig an dem Mann hinauf, seine Arme zittern wieder, die Hände ballt er immer wieder zu Fäusten.
Ob ich jetzt etwas fragen darf?
Der Fürst deutet auf das Bett.
Jonathan will der Aufforderung nachkommen und direkt auf das Bett klettern, doch der Fürst lenkt ihn am Pfosten vorbei.
Ich gehe hinter Jonthan her.
Hinter dem Pfosten des Himmelbettes zieht er ihn auf das Bett. „Ich will den andren Jungen auch sehen können!“, sagt der Fürst.
Während ich vor dem Bett stehen bleibe, kniet sich Jonathan auf die Decke. Sein Hinterteil streckt er dem Fürsten entgegen. Die Finger verhakt er ineinander, fest knetet er seine Hände. Sein Blick ist angespannt, er kaut auf seiner Unterlippe herum.
Ich lege den Kopf schief und schaue ihn besorgt an.
„Kuck mich nicht so an!“, sagt er in meine Richtung.
Wieder muss ich mir auf die Lippe beißen, um keine Frage zu stellen.
Der Fürst tritt unterdessen hinter Jonathan. Er streift dem Jungen das Unterkleider ab und zieht ihn an der Hüfte näher zu sich. „Ich bin vorsichtig!“, sagt er in einem freundlichen Ton und greift sich in den Schritt.
Was genau er da tut, sehe ich nicht, mir ist Jonathans Körper im Weg. Neugierig stelle ich mich auf die Zehenspitzen und versuche über ihn hinweg zuschauen, doch ich bin zu klein.
Jonathan beißt sich fest auf die Zähne, er zieht die Luft scharf ein, sein ganzer Körper spannt sich an.
„Lass schön locker!“, sagt Karl mit fürsorglicher Stimme.
Jonathan senkt den Oberkörper, und kneift die Augen fest zusammen, den Kopf bettet er auf seinen Armen.
Das Gesicht des Fürsten spannt sich an, er holt aus und schlägt Jonathan mit der flachen Hand auf den nackten Hintern. Es knallt ordentlich. „Du sollst locker lassen!“, sagt er deutlich lauter.
Ich erschrecke vor der plötzlichen rauen Stimmlage.
Jonathan senkt den Oberkörper noch weiter, er hält den Atem an.
„Geht doch! Nur noch ein bisschen. Ja, das ist besser!“ Der Fürst schließt für einen Moment die Augen. Er verharrt in seiner Stellung und atmet hörbar aus und ein, dann richtet sich seine Aufmerksamkeit auf mich.
Ich erstarre vor Schreck.
„Du, mach den Mund auf kleiner Prinz! Ich will dich dabei anschauen!“, sagt er in meine Richtung. Seine Stimme ist wieder so freundlich wie zuvor.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich der Aufforderung wirklich nachkommen soll. Ich will ihn nicht auch da unten küssen müssen. Fragend schaue ich Jonathan an.
„Mach einfach!“, sagt der streng.
Zögernd öffne ich den Mund ein kleines Stück.
„Weiter! Mach in ganz auf!“, sagt der Mann erwartungsvoll.
Wieder sehe ich Jonathan an.
Er nickt und betrachtet mich auffordernd.
Ich tue, was sie verlangen.
„Das ist gut!“, sagt der Fürst und rückt mit seinem Becken ein Stück von Jonathan weg.
Der Junge atmet erleichtert aus, er scheint sich zu entspannen.
Das erleichtert mich.
Der Fürst bewegt sich schnell auf Jonathan zu.
Jonathan bäumt sich auf. Ein leiser Schrei entkommt seiner Kehle, dann beißt er sich in den Unterarm. In seinen Augen sammeln sich Tränen, die er mit aller Gewalt zurückdrängt.
Irgendetwas tut ihm weh, so scheint es mir, doch ich kann nicht erkennen was es ist.
Der Fürst beginnt sich zu bewegen, immer vor und zurück.
Jonthans Blick wird immer leidender, seine Zähne graben sich tief in die Haut an seinem Arm. Die Tränen in seinen Augen gewinnen die Oberhand, sie laufen ihm über die Wangen.
„Ja, das ist gut!“, stöhnt der Fürst und sieht fröhlich und ausgelassen aus. Merkt er denn gar nicht, dass es Jonathan nicht gut geht? Vielleicht liegt es ja daran, dass er ihm nicht ins Gesicht sehen kann.
Ich schaue noch einmal zwischen beiden hin und her, dann kann ich nicht länger an mich halten. „Hör auf!“, sage ich laut.
Der Fürst erstarrt in seiner Bewegung und schaut auf mich herab.
Noch immer beißt sich Jonathan in den Arm, doch sein Blick ist erschrocken auf mich gerichtet.
Ich steige auf das Bett und stoße dem Mann gegen den Brustkorb: „Hör auf damit! Du tust ihm weh!“
Der Fürst weicht einen Schritt zurück. Sein Glied baumelt auf einmal ganz schlaf an ihm herab. Er schaut zwischen mir und Jonathan hin und her.
„Eric hör auf damit!“, schimpft Jonathan, doch seine Stimme klingt nicht überzeugend. Ihm laufen noch immer Tränen über die Wangen.
Der Fürst greift Jonthans Gesicht und dreht es so, dass er es ansehen kann. Er betrachtet es einen Moment lang, dann sagt schroff er: „Ich dachte du wärst bereit? Manfred hat dich doch vorbereitet, oder nicht?“
„Das hat er, ich habe auch fleißig geübt! Es geht schon, ich halte das aus!“, sagt Jonathan schnell und zwingt sich ein Lächeln ins Gesicht.
„Also wirklich! Und dafür soll ich nun so viel Geld bezahlen? So kommen wir nicht ins Geschäft. Ich will keinen Jungen, der an der schönsten Stelle heult wie ein Kleinkind. Was für eine Zeitverschwendung!“ Der Fürst gibt Jonathan frei und wendet sich stattdessen seinen Beinkleidern und der Unterwäsche zu.
Jonathan robbt vom Bett. „Hoher Herr, ich bitte euch! Es ist nicht so schlimm gewesen. Ich kann das!“
„Nein, Junge, mir ist die Lust vergangen. Für das nächste Mal, suche ich mir jemand anderen aus.“
„Aber Herr. Wir haben uns doch so gut verstanden. Bitte!“ Jonathan greift den Arm des Mannes.
„Nein! Lass mich los!“ Grob stößt der Fürst ihn Beiseite, eilig zieht er sich seine Kleidung wieder an.
Jonathan laufen noch größere Tränen über die Wangen. „Es tut mir leid! Bitte, geht nicht“, sagt er immer wieder.
Der Fürst sieht ihn nicht mehr an. Er schließt seinen Gürtel über dem Rock und geht zur Tür.
Jonthan folgt ihm und ich ihm. „Hoher Herr!“
Der Fürst reißt die Tür auf, in schnellen Schritten hastet er durch den Flur.
Wir eilen ihm nach.
Auf unserem Weg kommt uns Manfred entgegen. Er schaut erst freudig, doch als dem Fürst ins Gesicht schaut, wird sein Blick fragen. „So schnell schon fertig? Ihr lasst euch doch sonst immer bis zum Morgengrauen Zeit“, fragt er.
Der Fürst schaut wütend, seine Stimme ist rau, als er sagt: „Ein Jahr habe ich meine Zeit verschwendet. Du hast mir versichert, dass er bereit sei. Das er mit dem erreichen der Volljährigkeit alles können wird.“
Wir kommen hinter dem Fürsten zum Stehen. Jonathan senkt sofort den Blick, seine Haltung sinkt in sich zusammen.
Der Fürst greift hinter sich, er packt Jonathan am Arm und zieht ihn vor sich. Die Bissspuren in Jonathans Arm hält er Manfred unter die Nase. Deutliche Aggression schwingt in seinen Worten: „Wie gut kannst du ihn eingewiesen haben, wenn er sich das antun muss, und dabei heult wie ein Kleinkind? Willst du mich eigentlich für dumm verkaufen? Ich bin ausschließlich hier für mein Vergnügen. Aber wie soll ich unter diesen Umständen meinen Spaß haben?“
Manfred sieht ärgerlich auf Jonathan herab. Entschuldigend hebt er die Hände: „Das verstehe ich nicht. Bei mir hat er keine Mine verzogen.“
Der Fürst bekommt ein seltsames Lächeln im Gesicht. „Nun, vielleicht haben wir ja nicht die selbe Ausstattung!“ Das Lächeln schwindet wieder, ernst fährt er fort: „Aber wenn du ihn so teuer verlaufen willst, muss er schon alles ab können. Ich für meinen Teil bin fertig mit ihm und mit diesem Haus. Nicht mal dein kleiner Prinz hat Manieren. Schreit mich einfach so an und schlägt nach mir. So was muss ich mir nicht bieten lassen!“
„Das tut mir aufrichtig leid, der Junge ist noch ganz neu und ...“, sagt Manfred, doch er wird unterbrochen.
„Ist mir egal. Sehe zu dass du deine Prostibilis unter Kontrolle bringst oder ich bin die längste Zeit Kunde in deinem Haus gewesen! Ich wünsche einen guten Tag!“ Der Fürst geht an Manfred vorbei. Am Ständer für die Mäntel nimmt er sich seinen Hut und den Mantel und verlässt das Haus.
Mir schwant nichts gutes, als ich zu Manfred zurück schaue.
Jeder Muskel in Leib des Bärtigen spannt sich an, er stemmt die Arme in die Seite und schaut finster auf Jonathan herab. Laut schnaubt er.
Wir senken beide den Blick tief und wagen nicht mehr zu Atmen. Angespannt warten wir auf unsere Bestrafung.
Doch Manfred bleibt stumm, er schnaubt nur unablässig vor sich hin.
Alle Blicke sind auf uns gerichtet, keiner wagt mehr sich zu rühren oder ein Wort zu sagen. Selbst die Kunden sind stehen geblieben.
Manfred sagt auch weiterhin keinen Ton, dafür packt er Jonathan hart am Arm und geht los. In schnellen Schritten, den Flur entlang.
Wir stolpern ihm nach.
Er zerrt uns raus aus dem Haus, über den Hof und zurück ins Loch. Im vorbeigehen nimmt er sich einen Stock, der neben der Feuerstelle steht, dann zieht er uns weiter bis in den Raum mit dem Käfig.
Wir halten vor der Eisenkonstruktion an.
Manfred lässt Jonathan los, er verschränkt die Arme. Mit dem Fuß trippelt er auf dem Boden: „Zieh dich aus!“, befiehlt er.
Jonathan kommen neue Tränen. „Es tut mir leid!“, sagt er und zögert der Aufforderung nach zu kommen.
Mein Blick geht zu dem Stock in Manfreds Hand. Sicher will er Jonathan damit schlagen. Ich stelle mich vor Jonathan. „Es war meine Schuld!“, sage ich in der Hoffnung, er verschont Jonathan.
„Sei still, für dich fällt heute und Morgen das Essen aus. Du kannst wirklich froh sein, dass du unbeschadet zu wertvoll bist, sonst würdest du die Peitsche zu spüren bekommen.“
Ich schlucke schwer und trete wieder zurück. Mit der Aussicht auf noch zwei Tage, ohne etwas zu Essen, schmerzt mein Magen noch mehr.
Manfreds Blick richtet sich wieder auf Jonathan. „Worauf wartest du?“, fragt er schroff.
Jonathan atmet tief durch, dann beginnt er sich die Kleider auszuziehen. Als er nichts mehr am Leibe trägt, deutet Manfred auf den Käfig.
Die Eisenkonstruktion reicht Jonathan bis zum Bauchnabel. Mit zitternden Beinen tritt er vor sie und stützt sich mit den Händen auf den Stäben ab.
„Zähl mit!“, sagt Manfred laut und hebt den Arm mit dem Stock, weit holt er aus. Der Stock saust durch die Luft und macht dabei ein zischendes Geräusch, hart schlägt er auf Jonathans Rücken auf.
Er zuckt zusammen, und beißt sich auf die Zähne. „Eins“, sagt er, während sich ein rotes Mahl auf seiner Haut ausbreitet.
Meine Augen weiten sich. Das muss doch schrecklich weh tun. Bei uns auf der Burg habe ich nie gesehen, wie jemand auf die blanke Haut geschlagen wurde. Immer war noch der Stoff der Kleidung dazwischen. Nun aber kann ich direkt dabei zusehen, wie die Haut immer dicker anschwillt.
Manfred hebt den Arm, ein neuer Stockhieb trifft Jonathans Rücken.
Der Junge stöhnt gequält: „Zwei!“, presst er hervor. Ein neues Mahl zieht sich quer über seinen Rücken, es ist noch größer, als das Erste und gewinnt deutlich schneller an Höhe.
Ich werfe die Hände vor den Mund, mir kommen die Tränen.
Wieder saust der Stock durch die Luft, wieder fährt Jonathan zusammen. „Drei!“
In immer kürzeren Abständen schlägt Manfred zu. Er lässt Jonathan kaum die Luft, mitzuzählen.
Ich zucke bei jedem neuen Hieb mit ihm zusammen und kann einfach nicht aufhören zu heulen.
„Vier, Fünf, Sechs, Sieben …“ Jonathan krümmt sich über dem Käfig zusammen, sein Atem rast, sein ganzer Körper zittert. „Acht, Neun, Zehn ...“ Seine Finger krallt er um die Streben des Käfigs zusammen. „Elf, Zwölf, Dreizehn ...“ Kreuz und Quer verteilen sich die roten Striemen auf seinem Rücken. Die Haut hat längst nachgegeben, an einigen Stellen ist sie bereits aufgeplatzt und Blut sickert aus den Wunden. „Vierzehn, Fünfzehn, Sechszehn, Siebziehn ...“
Das kann ich mir nicht länger mit ansehen. Ich stelle mich zwischen die Beiden und lege mich mit dem Oberkörper über Jonathan.
Manfred schafft es gerade noch so, seinen nächsten Hieb zu stoppen.
Mit dem Gesicht voller Tränen, flehe ich ihn an: „Aufhören! Bitte aufhören!“
Manfred hält tatsächlich inne und schaut mich einfach nur an.
Jonathan atmet schnell unter mir, ich kann das zittern seines Körpers spüren. Ich werde nicht zulassen, dass er noch einen weiteren Schlag ertragen muss. Direkt schaue ich Manfred in die Augen und sage: „Es ist alles meine Schuld, nicht sein. Er wollte ja aushalten. Aber ich habe so Angst um ihn gehabt, da habe ich den Fürsten geschubst und gesagt er soll aufhören. Es hat Jonathan doch so weh getan. Bitte, bestrafe ihn nicht weiter. Ich mache auch alles was du sagt, nur hör auf ihn zu schlagen. Bitte!“
Einen Moment lang sieht Manfred mich weiter an, dann senkt er den Stock. In tiefem Ton sagt er: „Ich hätte dich nie kaufen sollen! Kommt mir heute Abend nicht mehr unter die Augen!“ Den Stock wirft er in eine Ecke des Raums, dann lässt er uns allein.
Ich atme erleichtert aus, doch ich kann noch immer nicht aufhören zu heulen. Ganz langsam löse ich mich von Jonathan. Sein Blut klebt nun an meiner Kleidung.
Sein Rücken sieht mit jedem Moment schlimmer aus. Die roten Striemen sind einfach überall, sie verfärben sich an einigen Stellen bereits Blaue. Bei vielen ist die Haut tief eingerissen.
Ich lege wieder die Hände an den Mund und heule noch mehr. „Es tut mir so leid!“, sage ich immer wieder und trete einen Schritt zurück.
Jonathan sagt kein Wort, ganz langsam lässt er sich auf die Knie sinken und rutscht am Käfig herab. Er schwitzt so stark, dass ihm Schweißperlen vom Körper laufen. Die Zähne hat er noch fester zusammen gebissen und zieht immer wieder die Luft scharf ein. Mit den Händen sucht er auf dem Boden halt und bleibt schwer atmend hocken.
Ich weiß überhaupt nicht mehr, was ich machen soll und lasse mich neben ihm ebenfalls auf die Knie fallen. „Es tut mir leid!“, sage ich wieder.
Jonathans schaut mich durch seine verschwitzten Haare hindurch grimmig an. Er schüttelt immer wieder mit dem Kopf, schließlich sagt er: „Du bringst doch nur Unglück!“
Jetzt fühle ich mich noch schlechter, meine Kehle schnürt sich zu, ich schluchze laut. Jonathans Umrisse verschwimmen vor mir. Ich reibe mir über die Augen, sie stechen und fühlen sich ganz rau an. Eine warme Hand legt sich auf meinen Kopf, ich spüre die Last eines Armes auf mir und schau auf.
Jonathans verschwommen Umrisse scheinen zu lächeln. Seine Stimme ist freundlicher: „Eric du hast uns damit zwar nur Ärger gemacht und das war ziemlich dumm von dir, aber trotzdem danke!“
Ich schluchze und ziehe die Nase hoch. „Aber wofür denn?“, frage ich.
„Es hat sich noch nie jemand Sorgen um mich gemacht und sich für mich eingesetzt. Es hat wirklich verdammt weh getan und ich war froh, als er aufgehört hat!“
Ich fühle mich auf einen Schlag erleichtert. Also habe ich mich doch nicht geirrt und es war kein Fehler gewesen, den Fürsten zu schubsen. Ich falle Jonathan um den Hals und drücke ihn fest an mich.
Er zuckt unter meiner Berührung zusammen, legt aber seinerseits seinen Arm um mich.
„Lass uns doch einfach weglaufen, ja?“, sage ich.
Jonathan seufzt hörbar. „Ja, … ja vielleicht machen wir das eines Tages wirklich.“

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Nur wer die Hölle kennt, weiß den Himmel zu schätzen.
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