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 22. Kapitel ~Unter einer Bedingung~

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Enrico
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BeitragThema: 22. Kapitel ~Unter einer Bedingung~   22. Kapitel ~Unter einer Bedingung~ EmptyDo Aug 01, 2019 6:11 pm

22. Kapitel
~Unter einer Bedingung~

„Versteck dich!“, weiße ich Toni an.
„Ach ja und wo?“ Er bleibt einfach seelenruhig sitzen.
Ich stoße ihn an der Schulter an. „Im Schrank, unter dem Bett, mir egal!“
Noch immer macht Toni keine Anstalten aufzustehen. „Wenn sie die Bude hier auf den Kopf stellen, finden sie mich auch da.“
„Dann steig eben aus dem Fenster!“
„Ja, das macht mich auch kein Stück verdächtig.“
Seine Ruhe treibt mich in den Wahnsinn. Ich boxe ihn auf den Oberarm und bereue es im nächsten Moment, mit meiner verletzten Hand getan zu haben. „Fuck!“, knurre ich und schüttle den Arm, doch auch das bringt keine Erleichterung. „Fuck! Fuck! Fuck!“ Fest umschlinge ich die Verletzung mit der anderen Hand.
Toni schmunzelt amüsiert.
„Wie kannst du nur so ruhig bleiben? Die sperren dich ein!“
„Es gibt nur einen Weg runter von der Insel und dort werden sie jetzt sicher stehen. Wenn ich zu flüchten versuche, knallen sie mich vielleicht ab. Außerdem war ich schon auf alles gefasst, als ich die Waffe abgefeuert habe. Es ist okay. Du lebst, mehr wollte ich nicht.“
Mir steigen die Tränen in die Augen. „Du Idiot! Bleib nicht einfach so sitzen und warte ab!“

Schritte sind im Flur zu hören, sie verstummen vor der Tür, die Klinke wird gedrückt.
Ich halte den Atem an.
Raphael ist es der öffnet und herein schaut. „Ein gewisser Jan will mit Antonio sprechen?“
„Könnten sie uns bitte allein lassen?“, sagt jemand hinter ihm.
Raphael nickt.
„Komm schon rein Jan!“, sagt Toni.
Ein junger Asiat tritt ein und schließt die Tür nach sich. Er trägt ein schlichtes Hemd und eine kurze Hose. Seine Augen sind gerötet und von tiefen Ringen eingerahmt, die schwarzen, kurzen Haare zerzaust, wie eben aus dem Bett gekommen.
Jan trägt keine Uniform und niemand begleitet ihn. Irgendetwas ist hier faul.
„Kommst du, um mich festzunehmen?“, fragt Toni.
Jan kommt um das Bett herum, er bleibt am Fußende stehen. „Ich brauche deine Hilfe!“ Seine Stimme ist brüchig, in seinen Augen stehen Tränen.
Ich schaue zwischen den Beiden hin und her. Sie scheinen mir deutlich zu vertraut miteinander. Da muss irgendwas seit dem letzten Treffen bei Robin passiert sein, was ich noch nicht weiß.
Toni bekommt ein breites Lächeln im Gesicht, alle Spannung weicht aus seinem Körper. Er schlägt die Beine übereinander und lehnt sich im Kissen zurück. „Michael hat das Gelände räumen lassen. Als du dort angekommen bist, war keiner mehr da, oder?“
Jans Augen weiten sich. „Woher weißt du das?“
„Wenn die Drachen etwas beherrschen, dann ist es ihre Spuren zu verwischen.“ Toni legt die Arme hinter den Kopf und lächelt noch breiter. „Das wird Lui sicher total nerven. Jetzt habt ihr nichts mehr gegen mich in der Hand. Keine Leiche, keine Tatwaffe – keine Verhaftung.“
Jetzt muss auch ich lächeln. Das sind doch endlich mal gute Neuigkeiten.
Jans Blick bleibt verbissen. „Lui ist ebenfalls verschwunden.“
Toni zuckt mit den Schultern. „Ist nicht mein Problem.“
Ob Lui dieser Kerl ist, der mit Jan zum Verhör bei Robin gekommen ist? Waren die Beiden nicht ein Paar? Nachdenklich schaue ich vor mich hin.
Jans Hände ballen sich zu Fäusten, er macht einen Schritt am Bett vorbei, auf Toni zu. „Wie kannst du nur so kalt sein? Wir haben dir geholfen Enrico zu retten. Jetzt hilf gefälligst mir Lui zu finden!“
„Ich bin doch nicht lebensmüde“, sagt Toni.
Jans Haltung spannt sich weiter an, drohend baut er sich vor Toni auf. Hinter seinem Rücken zieht er eine Pistole hervor und richtet sie auf uns. „Du wirst mir helfen und wenn ich dich dazu zwingen muss!“
Augenblicklich greift auch Toni an den Halfter an seinem Gürtel.
Das Ganze wird mir zu heiß. Ich lege meine Hand über die von Toni und hindere ihn daran, seine Waffe zu ziehen. Ernst fixiere ich den jungen Polizisten und bemühe mich um Lautstärke, als ich sage: „Wie viel ist dir dein Partner wert?“
Toni betrachtet mich fragend.
Auch Jan sieht mich nun zum ersten Mal wirklich an. Er mustert mich lange, schließlich senkt er die Waffe: „Egal, was ich dafür tun muss, ich will ihn einfach nur wiederhaben.“
Das wollte ich hören. Ein großartiger Plan nimmt in mir Gestalt an. „Sehr gut! Ich werde dir Toni mitgeben, er wird dir ...“
Toni zieht die Augenbrauen tief ins Gesicht. „Du gibst mich mit? Wer bin ich, dein Hund?“, fragt er.
Ich rolle mit den Augen. Das tut nun wirklich nichts zu Sache. Kann er nicht einfach still sein? Ich beschließe seine Worte zu übergehen und spreche weiter nur mit Jan: „Er wird dir helfen, aber das wird dich etwas kosten.“
„Hey, werde ich hier vielleicht auch mal gefragt?“, sagt Toni deutlich aggressiver.
„Nein, halt die Klappe und lass mich machen!“, entgegne ich und strafe Toni mit einem bösen Blick.
Jan sieht zwischen uns hin und her, er steckt die Waffe weg und seufzt. „Ihr zwei geht mir auf die Nerven. Nennt endlich euren Preis! Ich habe keine Zeit zu verlieren.“
„Du und dein Kumpel, ihr arbeitet in Zukunft für uns!“
Toni schaut mich überrascht an, er versucht zu ergründen worauf ich hinaus will, schließlich schleicht sich ihm ein Lächeln ins Gesicht.
„Für euch?“, fragt Jan, „Wie soll das bitte aussehen?“
Ich sortiere meine Gedanken und brauche einen Moment, bis mir diese Zusammenarbeit selbst klar ist. Mein Blick wandert auf die unzähligen Verbände an meinem Körper und bleibt an meiner Hand hängen. Ich betrachte sie, als ich Jan antworte: „Ich will diese Drachen vernichten. Dieses ganz verdammte Syndikat. Dafür ist mir inzwischen jedes Mittel recht. Toni kennt sich in ihren Reihen aus, er kann euch so ziemlich jede Information liefern, die ihr braucht, um in ihren Reihen aufzuräumen. Das dürfte ja wohl auch in deinem Interesse sein. Möchte nicht wissen, was sie in diesem Moment mit deinem Freund anstellen.“
Jans beißt sich auf die Unterlippe. „Ist das schon alles?“, fragt er.
„Nein, ich will dass du alles vernichtetest, was mit uns zu tun hat. Toni und ich existieren gar nicht und werden auch in Zukunft für die Polizei unsichtbar bleiben.“
Jan schüttelt mit dem Kopf, er beginnt im Zimmer auf und ab zu laufen. „Da wird Lui niemals mitmachen.“
„Dann bring ihn dazu, du stehst ihm doch nah genug um Druck auf ihn ausüben zu können. Sollte er überhaupt noch am Leben sein“, sage ich.
Jan stoppt, er dreht sich nach mir um, sein Blick ist vorwurfsvoll.
Ich habe nicht den Eindruck, dass er auf mein Angebot eingehen will, also setze ich nach: „Wir können natürlich auch alle Karten auf den Tisch legen. Toni und ich gehen für unsere Verbrechen in den Knast und dafür schicken wir euch beide mit Robins Hilfe in die Klapse - immerhin Vögelt ihr mit Männern – ist das nicht eine Geisteskrankheit?“
„Du miese Ratte! Das ist Erpressung und das wo Lui und ich euch geholfen haben?“
Ich zucke mit den Schultern. „Zu diesen Bedingungen oder gar nicht!“
Jan knirscht mit den Zähnen.
„Sieh es doch mal positiv. Was sind schon zwei kleine Handlanger wie wir beide, gegen das Ausheben eines ganzen Syndikates. Sie werden euch sicher auf dem Präsidium feiern, ihr steigt auf der Karriereleiter auf.“
Jan sieht mich scharf an. „Ja und in der Position können wir gleich noch viel besser dafür sorgen, dass ihr beide unbehelligt bleibt.“
Ich lächle verschlagen. „Ich sehe wir verstehen uns.“
„Na schön. Mir bleibt keine Wahl. Ich mach's, aber für Lui kann ich nicht garantieren.“
Tonis betrachten mich kopfschüttelnd. Die ganze Zeit schon schaut er mich so merkwürdig an.
„Was, ist?“, frage ich ihn.
„Du hörst dich schon an wie Aaron.“
Ich lächle. Wirklich? Irgendwie gefällt es mir mit dem Alten verglichen zu werden. Er wird von allen respektiert und keiner wagt es ihm zu widersprechen. Daran könnte auch ich mich gewöhnen. „Ist doch gut so. Immerhin muss ich ja bald sein Schwiegersohn sein.“
Jan verschränkt die Arme vor der Brust, zweifelnd sieht er uns an, dann geht sein Blick an die Decke. Leise, mehr zu sich selbst, sagt er: „Von wegen Handlanger. Robin hat echt nicht übertrieben. Wie können die Beiden so jung sein und schon solche Kontakte haben. Ich bin so was von am Arsch. Vielen herzlichen Dank auch Lui.“

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Nur wer die Hölle kennt, weiß den Himmel zu schätzen.
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