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 ??. Kapitel ~Eiskalter Tod~

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Enrico
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BeitragThema: ??. Kapitel ~Eiskalter Tod~   Di Jun 26, 2012 7:09 am

??. Kapitel
~Eiskalter Tod~

Ich sehe auf dem Geländer der Brücke stehend in die Tiefe unter mir. Das Wasser ist so schwarz, dass ich nur aus meiner Erinnerung schließen kann, dass es da unten sein muss. Ein eisiger Wind durchdringt meine Jacke und schlägt mir den Schneeregen ins Gesicht, meine klammen Haare bauschen sich unter ihm auf. Ich halte mich an einem der Stahlseile fest, die das Gewischt der Brücke tragen und versuche zu erahnen, wie weit es unter mir in die Tiefe geht. Meinen Blick lasse ich über die Ufer des Hudson schweifen, seine Ränder sind mit Eisschollen gesäumt. In den letzten Tagen ist es so kalt gewesen, dass selbst dieser große Fluss beginnt zuzufrieren. Sollte ich den Sprung überleben, so wird mich auf jeden Fall dieses eiskalte Wasser töten.

Ein lauter Schuss donnert in meine Richtung, der Brückenpfeiler rechts neben mir wir von einer Kugel getroffen. Ich wende meinen Blick in die Richtung, aus der der Schuss gekommen ist. Sie sind mir immer noch auf den Fersen. Vier Männer in schwarzen Ledermänteln sind mir gefolgt, sie kommen mit gezückten Pistolen auf mich zu. Wieder verfehlt mich einer ihrer Kugeln nur knapp. Mein Herz rast doch mein Atem wird ruhig, ich spüre eine seltsame Schwerelosigkeit, die gar nicht in meine Situation passt.
Sie werden mich nicht töten, ihr Chef will mich lebend, mache ich mir klar, um nicht in Panik zu geraten, doch ich will ihm nicht in die Hände fallen, da lieber stürze ich mich in die eiskalten Fluten. Noch einmal sehe ich die Männer an, ich lächele, während ich meinen Entschluss gefasst habe. Lebend bekommen sie mich nicht. Sie scheinen mein Vorhaben zu erahnen, denn ihre Schritte beschleunigen. Ich lasse das Drahtseil los und sehe zurück auf den Hudson. Am Ufer kann ich den die Umrisse eines jungen Mann in der Dunkelheit erahnen, er sieht in meine Richtung und schüttelt mit dem Kopf, als er mein Vorhaben erkennt. Ich lächele ihm zu, was habe ich denn schon für eine Wahl? Noch eine Kugel schießt neben mir in den Pfeiler, ich schließe die Augen und verabschiede mich stumm von ihm. Toni und ich sind weit gekommen, ein ganzes Jahr haben wir die Verfolgung der Drachen nun schon überlebt, dass hat vor uns noch keiner geschafft, vielleicht hielt er ohne mich noch etwas länger durch.

Ich mache einen Schritt nach vorn und lasse mich fallen, meine Beine strecke ich gerade durch und lege die Arme eng an meinen Körper, dann rauscht mein bisheriges Leben noch einmal an mir vorbei, meine Kindheit mit Raphael, die sorglosen Tage mit Toni, bevor ich ihn beim Töten beobachtet habe und ganz besonders das aufregende letzte Jahr, in dem sich mein Leben komplett geändert hat. Ich bereue keinen einzigen Moment davon.

Ein harter Aufprall erschüttert meinen Körper und raubt mir für kurze Zeit die Besinnung, dann strömt eisige Kälte, wie tauschen Nadelstiche auf mich ein. Ich weiß nicht mehr wo oben und unten ist, alles um mich herum ist schwarz, ich versuche Luft zu holen, doch mein Körper ist wie betäubt. Wenn ich wenigstens wüsste, in welche Richtung ich schwimmen muss, um an die Wasseroberfläche zu kommen, doch ich habe völlig die Orientierung verloren, meine Arme und Beine werden vor Kälte so steif, dass ich sie nicht mehr bewegen kann. Wie deprimierend, den Aufprall habe ich überlebt und nun werde ich ertrinken, wusste ich doch, dass das eisige Wasser mein größtes Problem sein wird.
Ich gebe auf und lasse mich von der Strömung mitreisen, ich fühle mich, als wenn ich noch immer fallen würde, bis ich einen festen Griff um mein Handgelenk spüren kann, der mich festhält und aus der Schwerelosigkeit zieht. Was ist das? Ich wage noch einmal die Augen aufzuschlagen, doch ich kann nichts erkennen.
Ein eisiger Wind rauscht mir durch die nassen Haare und dröhnt mir in den Ohren, mein Körper reagiert automatisch, ich hole tief Luft und huste das eingeatmete Wasser aus meiner Lunge. Noch immer habe ich keine Ahnung wo ich bin, ich funktioniere einfach, als ich festen Boden unter meinen Beinen spüren kann, krieche ich von ganz allein ans Ufer. Erst jetzt lässt mich der feste Griff los, ich höre wie sich jemand schwer atmend neben mir fallen lässt. Ich sehe zur Seite und erkenne meinen Retter, Toni muss in den Fluss gesprungen sein, um mich wieder herauszuziehen. Wir zittern am ganzen Körper und können uns beide nicht wieder aufrichten. Noch immer muss ich husten und erbreche immer wieder Wasser. Mir ist gar nicht bewusst gewesen, wie viel ich davon geschluckt habe.
„Du elender Idiot, wieso springst du von einer Brücke?“, knurrt er mich an, während seine Zähne klappern und seine Worte fast unverständlich machen. Auch mir fällt es schwer im eisigen Wind meine brennenden Muskeln unter Kontrolle zu bekommen, um ihm zu antworten.
„Wäre es dir lieber, ich wäre den Drachen in die Hände gefallen?“
„Wenn ich gewusst hätte … dass es so kalt ist … hätte ich dich nicht gerettet!“, brummt Toni und drückt sich mit den Armen nach oben. Ich belächele seine Wort. Er hat es wissen müssen und ist und ist trotzdem gesprungen.
„Doch wärst du!“, sage ich ihm und versuche ebenfalls aufzustehen. Mein Blick fällt in Richtung Brücke zurück, die Männer sind an der Stelle stehen geblieben, von der ich abgesprungen bin. Sie sehen in unsere Richtung, doch die Reichweite ihrer Pistolen wird nicht ausreichen, um uns zu treffen. Das wissen sie und laufen zurück. Sie werden nicht lange brauchen, bis sie bei uns sind. Sie kommen her, wir müssen hier weg!“, schlage ich vor und kämpfe mich auf die Beine. Ganz langsam kehrt die Kraft in meine Muskeln zurück. Wenn wir rennen, wird mir sicher auch wieder warm werden. Endlich schaffe ich es mich aufzurichten, auch wenn ich noch immer am ganzen Körper zittere. Toni sieht ebenfalls zur Brücke zurück, er schätzt die Situation ähnlich ein, besorgt sieh er zu mir zurück, als er wissen will:
„Kannst du Laufen?“
„Ja?“, sage ich und bin mir nicht ganz sicher. Mein Körper fühlt sich taub an, ich spüre kaum die beißende Kälte. Toni packt mich am Arm, um mir die Böschung hinauf zu helfen, mehr schlecht als recht stolpere ich ihm nach, meine Beine wollen kaum mein Gewischt tragen. Toni sieht sich auf der Straße um, die wir erreicht haben. Nur vereinzelte Autos kommen an uns vorbei, der Gehweg ist Mensch leer, aber das wird er nicht mehr lange bleiben. In der Fernen können wir beide die Männer hören, die sich etwas zu bellen.
„Hier lang!“, bestimmt Toni den Weg und zieht mich einfach mit sich. Ich bin froh darüber, mir selbst fehlt noch immer die Orientierung, doch je länger wir laufen, um so wärmer wird mir wieder und das Gefühl kehrt in meine Beine zurück. Ich schaffe es mit Tonis Schritten mitzuhalten und löse mich aus seinem Griff.
„Wir müssen aus diesen Klamotten raus!“, gebe ich auf unserer Flucht zu bedenken.
„Nein, wir müssen aus dieser Kälte raus!“, entgegnet er, als wenn das nicht das selbe wäre. Je weiter wir laufen um so kälter scheint es zu werden, doch zumindest ist von unseren Verfolgern nichts mehr zu sehen und zu hören. Ich sehe mich auf den Straßen um, durch die wir rennen, die Gegend kommt mir bekannt vor, wenn wir durch die Hinterhöfe rennen, sind wir in fünf Minuten bei unserer Fabrik, dort ist es zwar auch nicht viel wärmer, aber wir könnten uns ein Feuer anmachen und trockene Klamotten anziehen. Toni scheint die selbe Idee zu haben, denn er schlägt die Richtung ein, die ich auch gewählt hätte.

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Nur wer die Hölle kennt, weiß den Himmel zu schätzen.
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