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Enrico
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BeitragThema: Prolog   Di Dez 13, 2011 5:24 pm

Prolog

Ich sitze auf dem Bett in meinem Zimmer, in den Händen halte ich ein großes Wasserglas. Ein bunter Mix aus Tabletten schwimmt in ihm. Blassen erheben sich, während sich das Wasser zu trüben beginnt. Ich wende meinen Blick ab und sehe mich um.
Auf dem keinen Tisch, mir gegenüber, steht eine marmorierte Blumenvase. In ihr blühen drei weiße Blumen, deren Namen ich nicht kenne. Robin hat sie angeschleppt und hier hin gestellt. Ich sehe sie noch genau vor mir, wie sie mit federnden Schritten und einem Lied auf den Lippen, das ganze Zimmer dekoriert hat. Sie hat weiße Gardinen aufgehängt und eine bestickte Tischdecke über dem Holztisch ausgebreitet. In der linken Ecke hat sie mit Jan einen großer, schwarzer Kleiderschrank aufgestellt. Vor ihm stapeln sich all die Sachen die ich in den letzten Tagen angehabt habe. Ich halte nichts von Ordnung und Robin hat es aufgegeben, mir hinter zu räumen. Neben dem Schrank hängen zwei Regale. In ihnen stehen all die Bücher, die ich besitze. Es sind an die hundert Stück. Ich habe sie so oft gelesen, dass ich sie auswendig kenne. Naturwissenschaften, New York, Autos, Motorräder, New York, Autos, Waffen, Motorräder, New York, …
Ich vermisse meine Heimat, meine Familie, meine Freunde und ich vermisse dich!
Langsam schließe ich die Augen und setze das Glas an meine Lippen. Ich wundere mich, wie ruhig ich dabei bin. Kein Zittern, nicht mal ein Gefühl regt sich in mir. Habe ich dem Tod schon so oft ins Gesicht gesehen, dass ich ihn nicht mehr fürchte?
Während ich trinke, versuche ich mir dein Antlitz ins Gedächtnis zurück zurufen. Es ist so lange her, dass ich Angst habe, es vergessen zu haben. Ich habe kein Foto von dir mitnehmen können. Lediglich die Kette, die du mir zum Geburtstag geschenkt hast, ist mir geblieben. Sie besteht aus einem Lederband. An ihm hängt ein Anhänger in der Form eines Wassertropfens. Er ist farblos und schimmert im Sonnenlicht bläulich. In seinem Inneren ist eine goldene Wolfspfote eingearbeitet. Wie von selbst ergreifen meine Finger den Anhänger. Ich fahre die glatte Oberfläche ab, wie ich es immer tue.
Verschwommen nehmen deine Gesichtszüge in meinem Geist Gestalt an. Deine smaragdgrünen Augen, die schwarzen Haare, die sich an ihren Spitzen zu kleinen Locken zusammen drehen. Deine tiefe Stirn, die du immer runzeltest, wenn du sauer auf mich warst. Wie seltsam, dass du in meinen Gedanken nie lächeln kannst. Immer schaust du, als würdest du dich fragen, wo ich so lange bleibe und mir sagen wollen, dass du schon eine halbe Ewigkeit auf mich wartest.
Die Kraft weicht aus meinen Händen, ich kann das Glas nicht länger halten. Es gleitet aus meinen Fingern und schlägt auf den harten Steinboden auf. Ich höre das Zerspringen des Glases gedämpft und spüre wie der Wirkstoff meine Sinne benebelt. Ich bin so müde. Mein Körper entspannt sich, all meine Muskeln werden schlaff. Ich verliere den Halt und falle auf die Seite. Meine Augen werden schwer, zu schwer um sie wieder zu öffnen.
Das Letzte was ich höre sind Schritte. Sie nähern sich meinem Zimmer. Zu spät, freue ich mich und zwinge mir ein letztes Lächeln ins Gesicht.

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Nur wer die Hölle kennt, weiß den Himmel zu schätzen.
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