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Enrico
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BeitragThema: Gedankensplitter   Mo Okt 31, 2011 9:09 pm

Ich lehne mich zurück und schließe die Augen. Meinen Kopf lege ich auf der Lehne des Sessels. Ich wünsche mir zu schlafen, aber du hältst mich wach. Ich muss an all die Tage denken, die wir vergeudet haben, an all die Stunden in denen wir gestritten und uns selbst belogen haben.
Langsame Schritte nähern sich mir. Ich kann die Pantoffeln meiner Frau hören, wie sie über den Teppich gleiten. Sie kommt zu mir und legt mir ihre Hand auf die Schulter. Ich greife blind nach ihr und berühre ihre Finger. Ihre Haut ist seidig weich und warm. Ihr Parfüm erfüllt meine Atemluft.
Meine Finger bleiben an ihrem Ehering hängen. Ich beginne ihn um ihren Finger zu drehen. Wir sind jetzt schon 15 Jahre verheiratet. Sie will längst nicht mehr wissen, wo ich gewesen bin und was ich dort getan habe. Sie sieht mir an, dass es ein harter Tag war.
“Hier!”, höre ich sie flüstern und sehe auf. Sie reicht mir ein Whiskyglas. In ihm schwimmen zwei Eiswürfel in einer braunen Flüssigkeit. Ich habe sie um den Scootch nicht gebeten und freue mich um so mehr darüber. Mit einem Nicken nehme ich ihn dankend an. Mich betrinken war keine schlechte Idee. Vielleicht vergesse ich den Tag ja auf diese Weise. Ich setze das Glas an meine Lippen und trinke einen Schluck.
Judy geht um den Sessel herum. Sie streckt mir ihre Hand entgegen.
“Zieh die Jacke aus!”, fordert sie mich auf. Ich sehe sie misstrauisch an. Seid wann kümmert sie sich so führsorglich um mich? Habe ich etwas ausgefressen, oder ahnt sie, dass sich unter der Lederjacke eine Schusswunde befindet? Sie lässt nicht locker, sie sieht mir mit eisernem Blick direkt in die Augen. Ich bin mir sicher, dass sie weiß dass ich mit dir unterwegs war und das du der Grund für die Verletzung bist.
“Enrico!”, fordert sie mich noch einmal auf ihr meine Jacke zu geben. Ich seufze schwer und stelle das Glas auf dem runden Tisch neben mir ab. Noch einmal sehe ich ihr in die Augen und hoffe dass sich ihr Blick aufgelockert hat. Ungeduldig mustert sie mich.
Langsam streife ich mir das Leder von den Armen. Ich beiße die Zähne zusammen. Meine Schulter brennt wie Feuer. Was musstest du dich auch in meine Angelegenheiten einmischen? Ich hätte den Deal auch ohne dich über die Bühne gebracht, ich brauche keinen Leibwächter.
Endlich schaffe ich es meine Hände aus den Ärmeln zu befreien und die Jacke auszuziehen. Ich kann meinen rechten Arm nicht mehr heben. Mit der linken Hand reiche ich Judy die Jacke. Sie sieht mich prüfend an. Toni hat die Wunde bereits versogt. Sie kann den Verband unter meinem Hemd nicht sehen, trotzdem sieht sie zielsicher die verletzte Schulter an.
“Das Hemd auch!”, fordert sie. Sie weiß es! Ich versuche gar nicht erst zu protestieren. Langsam öffne ich die Knöpfe. Meine Finger beginnen sich zu verkrampfen, mein rechter Arm zittert. Ich kann ihn nicht ruhig halten. Ein Stechen durchzieht meine Schulter, immer wieder. Ich ziehe die Luft scharf zwischen den Zähen ein und schließe für einen Moment die Augen. Als ich sie wieder öffne sehe ich Judys nussbraune Augen. Sie hat sich zu mir gekniet. Ihre Finger legt sie auf meine Hände und schiebt sie von den Knöpfen. Sie öffnet die restlichen drei für mich, dann schiebt sie den Stoff von meinem Oberkörper und zieht mir das Hemd über die Schultern von den Armen. Ich beiße die Zähne fest aufeinander und sehe an die Decke. Ich hasse es wenn sie mich so sieht. Ständig ist mit mir etwas anders. Ich kann die Tage an einer Hand abzählen, an denen ich unverletzt nach Hause gekommen bin.
Ihre Finger berühren den Verband. Ich zucke zusammen und presse meinen Atem zwischen den Zähne hindurch. Was sie jetzt wohl sagen wird? Ich will sie nicht ansehen und die Antwort in ihren Augen ablesen. Ich spüre ihre Oberschenkel neben meinen. Sie setzt sich auf meinen Schoss. Ich versuche ihrem Blick zu entkommen und sehe an ihr vorbei in die Flammen des Kamins. Das Feuer knistert. Ich erinnere mich an das Versprechen den Abend mit ihr allein zu verbringen. Wir waren uns schon lange nicht mehr so nah wie jetzt. Judys heißer Atem streicht mir durch den Nacken. Ihre Hände legen sich um meine Wangen. Sie dreht meinen Blick zu sich, bis ich sie ansehen muss. Ihre Lippen sind so nah, das sie meine sacht berühren.

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Nur wer die Hölle kennt, weiß den Himmel zu schätzen.
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