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 ??. Kapitel ~In Dunkelheit~

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Enrico
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BeitragThema: ??. Kapitel ~In Dunkelheit~   Di Apr 05, 2011 8:09 pm

??. Kapitel
~In Dunkelheit~

Die Zeit schien stehen zu bleiben. Es gab nur noch den Unterschied zwischen Luftholen und den entsetzlichen Krämpfen. Susen saß noch immer neben mir und wischte mir immer wieder den Schweiß von der Stirn. Meine Kleidung klebte an mir, ebenso wie das Lacken und die Decke. Alles war klamm und durchgeschwitzt.
“Hast du nicht was, damit das aufhört?”, flehte ich Susen in einer der Pausen an, die mir das Gift zwischendurch ließ. Sie gab mir keine Antwort auf meine Frage. Wir wussten beide, dass ich da jetzt durch musste. Schließlich erhob Susen sich. Ich konnte hören wie sich ihre Schritte von mir entfernten. Sie lief bis zur Tür und öffnete sie.
“Ich werde mal sehen wo Raphael so lange bleibt!”, erklärte sie mir, bevor sie ging. Ich seufzte schwer, jetzt war ich auch noch allein hier. Ich brauchte dringend etwas auf das ich mich konzentrieren konnte, dass mich ablenkte. Wenn ich wenigstens etwas hätte sehen können, dann hätte ich das Meer vor dem Fenster beobachtet. Das hatte ich so oft getan, wenn es mir schlecht ging. Die Dunkelheit machte mich wahnsinnig. Was wenn es nun immer so blieb. Wieder überkam mich ein Anfall und erschütterte meinen Körper. Wenn es immer dunkel um mich blieb, dann starb ich lieber hier und jetzt an diesem Gift. Meine Finger vergrub ich im Kissen und zog sie eng um den klammen Stoff zusammen. Wenn doch nur Toni schon hier gewesen wäre. Ich wollte seine Stimme noch einmal hören. Heiße Tränen fielen mir auf die Hand. Was wenn ich es nicht schaffte, bis er hier war. Mit dem Zeigefinger schrieb ich immer wieder die Buchstaben seines Namens in das nasse Kissen. Ich begann den Wellen zu lauschen, die gegen die kleine Insel schlugen, um nicht verrückt zu werden. Ich wollte ihn noch einmal berühren dürfen, nur noch einmal.
“He, Schatz? Alles OK?”, hörte ich Susen aus der Wohnstube mit Raphael sprechen. Er antwortet ihr nicht gleich. Sie musste ihn noch ein weiteres Mal ansprechen:
“Raphael?”
“Ich ertrag’s nicht ihn noch einmal sterben zu sehen”, Raphaels Stimme war brüchig. Er musste geweint haben. Ich bekam ein noch schlechteres Gewissen, als ich ohnehin schon hatte. Warum nur schaffte ich es einfach nicht mich von Schwierigkeiten fernzuhalten? Warum nur zog ich alles Unheil geradezu an?
“Genau so hat er sich angehört als Robin und Jan ihn aus der brennenden Lagerhalle geholt habe. Da hat er auch zwei Tage ohne Pause geschrien, bevor er ins Koma gefallen ist!” Hatte ich? Ich konnte mich nicht mehr daran erinnern, was passierte nachdem Michael und Butch die Lagerhalle angezündet hatten. Ich bereitete den Menschen die mich liebten nichts als Kummer.
“Er wird das schon schaffen. Er ist doch noch jung und gut trainiert …”, versuchte Susen ihn zu beruhigen.
“Meinst du das ernst, oder sagst du das nur, um mich zu beruhigen?” Raphaels Stimme zitterte noch mehr als zuvor. Sicher war er den Tränen nahe. Susen blieb stumm. Ich konnte hören wie sie sich auf das Sofa zu ihm setze. Entweder hatten beide keine Worte mehr oder sie sprachen inzwischen so leise, dass ich sie nicht mehr hören konnte. Ich seufzte schwer, als die Krämpfe nachließen. Wie gern wäre ich jetzt aufgestanden und zu ihnen gegangen, um ihnen zu sagen dass es mir gut ging und sie sich keine Sorgen machen brauchten. Während ich nach Luft schnappte und spüren konnte wie sich meine Muskeln wieder anspannten, hörte ich wie die Haustür aufgeschlossen und Sekunden später die Tür aufgeschlagen wurde.
“OK, wo ist er, damit ich ihm den Hals umdrehen kann!” Ich erkannte Tonis Stimme sofort. Noch nie zuvor hatte ich mich so gefreut ihn zu hören. Obwohl er so wütend auf mich war, huschte mir ein Lächeln über das Gesicht. Wenn ich doch nur den Atem gehabt hätte, um nach ihm zu rufen. Ich war so unendlich froh darüber, dass er es geschafft hatte hier zu sein, bevor ich …
Ich verschluckte diesen Gedanken bevor ich ihn zu Ende gebracht hatte, ich durfte nicht so denken und einfach aufgeben. Das war ich ihnen allen schuldig.
“Dort wo er immer ist, wenn ich ihn zusammen flicken musste!”, knurrte Susen. Sie war auf einmal genau so wütend wie Toni. Worüber sie sich wohl die ganze Zeit mit Raphael unterhalten hatte? Konnten sie mit ihren wütenden Worten nicht warten, bis es mir etwas besser ging. Ich sehnt mich nach ein paar einfühlsamen Worten.
Ich konnte hören wie Tonis schwere Schritte näher kamen. Er lief nicht schnell aber bestimmt genug, dass ich wusste was mir blühte. Er riss die Tür so hart auf, dass sie gegen die gegenüberliegende Wand schlug. Noch bevor er das Zimmer betrat konnte ich ihn schimpfen hören:
“Kannst du mir mal erklären was der Mist soll River? Ich dachte wir hatten was ausgemacht? Kann ich dich nicht mal ein paar Stunden allein lassen? Anette ist stinksauer, weil ich sie und Kira deinetwegen zurück gelassen habe …”
“Es tut mir so leid”, keuchte ich atemlos. Unentwegt rannen mir die Tränen über mein Gesicht. Er sollte aufhören zu schimpfen, ich wusste doch was ich falsch gemacht hatte. Ich war mir darüber im klaren dass ich wieder mal alles vermasselt hatte und das er und seine Familie einmal mehr darunter leiden musste. Ich konnte nicht mehr ändern, dass ich ihn jetzt brauchte.
“Bitte!”, flechte ich ihn an und streckte meine Hand nach ihm aus, ohne zu wissen wohin ich greifen musste. Ich wollte ihn fühlen und wissen dass er wirklich da war.
Er seufzte schwer und schluckte die Worte hinunter die ihm sicher noch für mich auf der Zunge lagen. Ich hörte ihn nur langsam näher kommen und griff immer wieder ins Leere, bis er mich endlich erreichte. Scheinbar teilnahmslos nahm er meine Hand und hielt sie dabei nicht einmal. Hätte ich mich nicht an seinen Fingern festgehalten wäre ich an ihnen einfach abgerutscht. Warum musste er ausgerechnet jetzt so gefühlskalt sein?
“Was soll ich nur mit dir machen?” Er seufzte noch einmal schwer und ließ sich auf mein Bett sinken. Am liebsten wäre ich sofort auf seinen Schoß gekrochen und hätte mich dort wie ein kleines Kind zusammen gerollt, aber ein neuer Krampfanfall ließ mich bleiben wo ich war. Ich biss die Zähne so fest aufeinander, dass sie knirschten. Ich wollte mich vor ihm zusammen reißen, aber es ging nicht. Die Tränen ließen sich nicht mehr zurückdrängen und das Wimmern nicht abstellen. Es tat so weh, dass ich am liebsten nach der Pistole gesucht hätte, die Toni immer bei sich trug, um mich damit selbst zu erlösen.
“Kannst du mir mal verraten, warum du das immer wieder machst?”, wollte er resigniert von mir wissen. Mussten wir jetzt Frage-Antwort-Spiele miteinander spielen? Sah er denn nicht das ich kaum Luft bekam und mich nicht mit ihm unterhalten konnte, oder sprach er mehr mit sich selbst, als mit mir? Ich spürte wie sein Blick auf mir ruhte. Ich hatte das Gefühl er würde mich erst jetzt wirklich ansehen. Ich versuchte etwas zu sagen, aber ich brachte nur einen kläglich klingenden Ton heraus.
“Ich hätte diesen Urlaub wirklich gebraucht Enrico”, stöhnte er leise. Er klang dabei so nachdenklich und traurig.
“Es tut mir leid”, wiederholte ich und tastete auf der Suche nach ihm über die Bettdecke. Ich erreichte seinen Oberschenkel und zog mich daran ein Stück näher an ihn heran um meinen Kopf in seinen Schoß zu legen. Er ließ es zu, sagte aber kein Wort mehr. Auch ich schwieg. Wir hatten uns nicht viel mehr zu sagen. Ich schloss meine Augen, die ohnehin nutzlos waren und lauschte seinem Atmen. Seine Nähe beruhigte mich. Ich bekam viel besser Luft als zuvor. Die Abstände zwischen den Krämpfen wurden länger. Immer wieder döste ich kurz ein, bis der nächste kam und mich wieder weckte. Ich fühlte mich so ausgelaugt und schwach, als wenn ich den ganzen Tag trainiert hätte.
“Wenn du heute Nacht stirbst, werde ich dir das nie verzeihen”, meinte Toni auf einmal. Seine Worte klangen hart und kaltherzig, während er mir sanft durch die nassen Haare strich. Ich atmete tief durch und wusste nicht was ich ihm darauf antworten sollte. Mein Körper wurde immer schwerer, ich konnte mich kaum noch wach halten. Ich wusste nicht ob die Wirkung des Giftes nach ließ oder mein Körper einfach aufgab.
“Ich liebe dich!”, hauchte ich ihm in den Schoß, in der Hoffnung, dass er meine erschöpfte Stimmer überhaupt noch hören konnte. Die Welt verlor sich um mich herum, ich konnte mich nicht länger gegen die Schwäche zur Wehr setzen, die sich in mir ausbreitete. Ich spürte noch einmal, wie sich all meine Muskeln gegen das Gift aufbäumten, dann verlor ich das Bewusstsein.

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BeitragThema: Re: ??. Kapitel ~In Dunkelheit~   Mi Apr 06, 2011 8:47 am

Hi Schnuckel,
ich denke mal, ich war so kaltherzig, weil ich einfach wollte, dass du endlich verstehst, was ich meine. An der Schwelle des Todes, sieht man bestimmte Dinge immer etwas anders. Und du hast ja bereits selbst geschrieben, dass du danach etwas ruhiger geworden bis. Natürlich habe ich mir große Sorgen gemacht. Und Anette, na ja, die war zwar sauer, aber im Nachhinein hat sie es ja verstanden. Ich habe mich zwar selbst aufgeregt, aber wohl mehr, dass ich nicht bei dir gewesen war, um dass alles zu verhindern. Aber wer weiß, vielleicht hätte ich das noch nicht einmal geschafft. Wenn du blind durch die Gegend läufst, und dir schöne Augen machen lässt, dann war ich ja eh abgeschrieben. Das war einfach nur dumm und naiv.

knuddel dich mal
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Enrico
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BeitragThema: Re: ??. Kapitel ~In Dunkelheit~   Mi Apr 06, 2011 12:41 pm

Ja, weiß schon, Schande über mein Haupt. Aber mal ehrlich in dem Punkte hab ich mich doch echt gebessert^^.
Bin ich nicht viel ruhiger und weniger Frauenfixiert? Zwar nicht ganz freiwillig aber ich bins^^.

Knuddel dich auch.

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BeitragThema: Re: ??. Kapitel ~In Dunkelheit~   Mi Apr 06, 2011 12:51 pm

Na ja, das mit dem frauenfixiert sei mal dahingestellt ... lol. Aber du bist definitiv nicht dumm ... ok, das warst du damals ja auch nicht, du weißt was ich meine. Naiv? Nö ... also nicht dass ich wüsste.
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BeitragThema: Re: ??. Kapitel ~In Dunkelheit~   Mi Apr 06, 2011 1:08 pm

Lach schlimm ich hab ein ganzes Leben und ein halbes gebraucht um erwachsen zu werden. Erschreckend^^.

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BeitragThema: Re: ??. Kapitel ~In Dunkelheit~   Mi Apr 06, 2011 5:03 pm

So, ich konnte nicht mehr warten bis Freitag und habs schon mal gelesen.
Was das hyperventilieren angeht, finde ich, dass du das etwas zu lasch bescheibst. Wenn du schon hyperventilierst dann sollte auch Susan mehr darauf eingehen. Sie untersucht nicht die Beine, während du keine Luft bekommst. Und es ist einem auch kaum möglich etwas zu sagen. Du redest in diesem Zeitraum einfach zu viel. Besonders, weil du immer noch nichts sehen kannst. Das stresst den Körper noch viel mehr. Ich weiß wovon ich spreche, man denkt nicht nur, keine Luft mehr zu bekommen, man hat panische Angst zu sterben.

Was ich noch mal zu dieser kaltherzigkeit sagen wollte.
Ich habe mir so große Sorgen gemacht, dass ich kaum noch mehr denken konnte. Der einzige Gedanke den ich im Kopf hatte, war, dass du stirbst. Ich habe ihn durch die kaltherzigkeit, versucht bei Seite zu schieben. In dem Moment erging er mir nicht anders als Raph. Alles kam wieder hoch. Diese Angst, dich zu verlieren. Ich musste für mich selbst, also so hart sein, wo mal ich am liebsten geweint hätte.

Raphael ist stinkesauer. Er tobt danach noch regelrecht. Er hält diese Angst nicht mehr länger aus, dich irgendwann zu verlieren. In dem Moment haben Raph und ich, uns verbündet.

Meine Reaktion wegen deinem Vorschlag, zwei Wochen Urlaub und so, ist nicht ganz richtig so. In dem Moment machst du mich richtig wütend. Was sind zwei Wochen Urlaub ... gegen die Angst dich zu verlieren. Du musstest dich nicht revongieren, mir hätte gereicht, wenn du endlich vernünftig geworden wärst. Der Urlaub war hin ... na und? Anettes Gemecker, schön und gut, aber mir waren ganz andere Dinge, wichtiger.
Am liebsten hät ich dir in dem Moment den Hals umgedreht.
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BeitragThema: Re: ??. Kapitel ~In Dunkelheit~   Mi Apr 06, 2011 5:14 pm

Ich geb dir recht mit dem hyperventilieren. Vielleicht schreib ich bei lieber das sie sich sorgen macht das ich sonst noch anfang zu hyperventielieren. Das wäre dann etwas besser hoffe ich. Dann ist es ja noch nicht so schlimm, wie wenn es wirklich so wäre.
Ich weiß denke ich das du dir in dieser Zeit verdammt viele Sorgen gemachst hast und das dich das nicht so kalt gelassen hat wie du den Anschein erweckt hast. Ich denke du warst da eben einfach überfordert mit allem. Auch das Raph getopt hat, kann ich mir gut vorstellen, hab nur nicht alles mitbekommen. Deswegen diese Brocken des Gespräches.
Was deine Wut am Ende angeht. Ich denke da könnte ich vielleicht wirklich noch etwas energischer schreiben. Also das man auch merkt, dass du deswegen wütend bist, weil ich denke es damit auszugleichen. Ich habe eben deine Sorge bis zu dem Moment noch nicht gespürt gehabt. Heute denke ich weiß ichs besser.

Ps.: Vielleicht schreibst du irgendwann ja auch was dazu^^. Würde mich echt interessieren was da noch abgelaufen ist während ich Bewusstlos war.

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BeitragThema: Re: ??. Kapitel ~In Dunkelheit~   Do Apr 07, 2011 10:29 am

So die neue Version. Ich hoffe die passt jetzt besser.

Als ich später die Augen wieder öffnete, wusste ich nicht ob ich bereits tot oder noch am Leben war. Ich befand mich in einem Vakuum, das weder oben noch unten kannte. Hier gab es kein Licht und nur gedämpfte Geräusche. Etwas rauschte in weiter Ferne. Eine tonnenschwere Last drückte auf meine Knochen. Ich versuchte meine Kopf nach rechts und links zu drehen, um einen Lichtstrahl zu erhaschen, aber da war nichts. Ich versuchte meine Arme zu bewegen, nichts, auch meine Beine reagierten nicht auf meine Befehle. Fühlte sich so der Tod an? Ich lauschte meinem eigenen Atem und konnte meinen Herzschlag hören. Also lebte ich doch noch? Aber warum konnte ich mich dann nicht bewegen und nichts sehen?
Nur langsam kam der vergangene Tag in mein Gedächtnis zurück. Der Scotch und die seltsame Frau in Erics Bar. Das Gift, das mir das Augenlicht genommen und mich mit Krämpfen geschüttelt hatte. Ich musste schwer schlucken. Mein Mund war trocken und fühlte sich taub und rau an. Ich begann zu husten. Bei den Erschütterungen in meinem Brustkorb konnte ich meinen Körper spüren. Jeder Muskel schmerzte. Das war mit Abstand der schlimmste Muskelkater, denn ich jemals hatte. Ich konnte mich keinen Zentimeter mehr bewegen. In welche Scheiße hatte ich mich da nur wieder hineingeritten?
Ich erinnerte mich daran, dass Toni zu mir gekommen war und bei mir gesessen hatte. Ob er noch hier war? Ich konnte ihn weder hören noch sehen.
“Toni?“, rief ich nach ihm, aber meine Stimme war so schwach und dünn, dass ich sie selbst kaum hören konnte. Noch einmal sah ich mich nach allen Seiten nach ihm um. Ich öffnete und schloss die Augen immer wieder, aber es wurde nicht hell. Erst jetzt wurde mir wirklich bewusst, dass ich weder ihn noch sonst etwas sehen konnte. Augenblicklich bekam ich Herzrassen. Das konnte nicht sein, warum wurde es einfach nicht hell, wenn ich die Augen öffnete? Panik überkam mich, ich wollte um mich schlagen, den Schleier von meinen Augen reißen, der alles verdunkelte, aber ich konnte mich nicht bewegen.
“Toni!”, rief ich noch einmal nach ihm, aber meine Stimme blieb so leise wie zuvor. Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen, wusste nicht was ich tun sollte. Tränen stiegen mir in die Augen und rollten über meine Wangen. Erst einzelne, dann immer mehr, bis mein ganzes Gesicht nass wurde. Ich wollte wieder etwas sehen, irgend etwas und wenn es nur Schatten oder Umrisse gewesen wären. Warum nur ging so etwas selbstverständliches nicht mehr?
“Wer auch immer das war, den leg ich um!”, hörte ich Raphael im Zimmer nebenan sagen. Ich wollte nach ihm Rufen aber meine Stimme versagte mir ein weiteres Mal. Ich war so heißer das ich nur ein krächzen heraus brachte.
“Warte, ich komme mit dir!” Toni? Ein Glück er war noch hier. Konnte er nicht machen, dass es wieder hell wurde? Ich versuchte mich mit aller Gewalt von der Matratze unter mir abzudrücken. Meine Muskeln zitterten unter der Anspannung. Meine Kraft verließ mich, noch bevor ich mich einen Zentimeter nach oben gedrückt hatte. Ich fiel zurück ins Kissen. Völlig verzweifelt versuchte ich noch einmal zu rufen, vergeblich. Ein neuer Strom aus Tränen überflutete mein Gesicht. Ich fühlte mich so hilflos und ausgeliefert.
“Beruhigt euch wieder Jungs, ihr wisst doch nicht mal, wen ihr umlegen müsst! Hebt euch eure Kraft für später auf, wenn Enrico uns erzählen kann, was wirklich passiert ist”, fuhr Susens dazwischen. Ich konnte ihre Schritte näher kommen hören und atmete auf. Hoffentlich kam sie zu mir, ich musste wissen was mit mir los war und ob das ein Dauerzustand blieb. Die Tür öffnete sich, mir fiel ein Stein vom Herzen. Endlich war ich nicht mehr allein.
“Oh gut, du bist ja wieder wa …”, sprach Susen mich an. Ihr Schritte wurden schneller, während sie ihren Satz nicht zu ende brachte. Sie blieb neben mir stehen ihre Hände legten sich um meine Schultern. Eindringlich sprach sie auf mich ein:
“Enrico, beruhig dich! Du bekommst ja kaum noch Luft” Tat ich das? Ich hatte meine Atemnot gar nicht realisiert. Es war mir auch völlig egal. Viel schlimmer war die Dunkelheit, in der ich mich befand.
“Su … Susen ich kann nichts sehen!”, presste ich heraus. Meine Stimme überschlug sich. Ich konnte hören, wie Susen etwas aus ihrer Tasche zog. Für einen Moment bildete sich ein winziger Kontrast aus tiefem schwarz und sehr dunklem grau. Was war das wieder? Das Grau wanderte von rechts nach links und wieder zurück, dann war alles so dunkel wie zuvor.
“Gut deine Pupillen reagieren langsam wieder. Alles wird gut und jetzt beruhig dich bevor du noch hyperventielierst”, sprach sie sanft auf mich ein. Konnte ich ihr das glauben, oder sagte sie das nur, damit ich wieder zu Atem kam?
“Das schlimmste hast du überstanden”, versicherte sie mir im selben fürsorglichen Ton wie zuvor. Ihre Stimmlage ließ mich etwas ruhiger werden, trotzdem gab es da noch etwas, womit ich nicht klar kam und das keineswegs normal und in Ordnung war.
“Ich kann aber meine Beine nicht bewegen”, jammerte ich. Diese Gefühl kannte ich aus Italien. Ich hatte ein halbes Jahr lang nichts mehr in meinen Beinen spüren können, alle Ärzte hatten mir prophezeit das ich nie wieder laufen können würde. Was wenn dieses Leiden nun zurück gekommen war. Ich konnte nicht damit leben für immer an einen Rollstuhl gefesselt zu sein. Bei diesem Gedanken wurde meine Atmung automatisch wieder schneller.
Susen schob die Bettdecke bei Seite. Ich konnte ihre Finger spüren ,wie sie sich um meine Beine legten. Sie tastete sie vom Oberschenkel abwärts ab und fragte mich dabei:
“Fühlst du das?” Ich nickte nur als Antwort und bis die Zähne zusammen. Sie drückte nicht fest zu, trotzdem fühlte es sich an, als wenn sie Nadeln an den Fingern gehabt hätte.
“Dann ist doch alles gut. Du brauchst nur Ruhe!”, wies sie mich an. Ihr Ton war kälter und schroffer geworden. Er hatte einen befehlend Charakter angenommen. Ich seufzte und versuchte durchzuatmen. Sie hatte sicher recht, ich musste mich wieder beruhigen. Als sie die Decke über mich legte, konnte ich weitere Schritte neben mir hören. Ich brauchte ihn weder sehen noch zu berühren um zu wissen, dass es Toni war. Er sagte kein Wort, er stand einfach nur neben mir. Ich griff nach ihm und bekam seinen Ärmel zu packen.
“Geh nie wieder weg!”, flehte ich ihn inständig an.
“Enrico …”, seufzte er und lies sich nur widerwillig zu mir ziehen. Ich wusste das ich übertrieb und das er sich etwas besseres vorstellen konnte, als hier die ganze Zeit bei mir sitzen zu bleiben, aber ich spürte, wie ich mich erst jetzt wirklich beruhigen konnte, als ich mir seiner Nähe bewusst war. Er setzte sich auf die äußerste Kante des Bettes. Ich hatte den Eindruck, dass er sofort wieder aufstehen würde, wenn ich ihn losließ. Um so fester hielt ich ihn, damit er nicht entkommen konnte. Als er nah genug war, umklammerte ich seinen Arm auch noch mit meiner anderen Hand und schmiegte mich eng an ihn. Die Panik und Unruhe in mir ebbte nur langsam ab. Ich konnte ihn einfach nicht freigeben.
“Enrico, du tust mir weh!”, mahnte er mich in einem fast gelangweilten Ton. Ich lockerte meinen Griff nur unmerklich und flüsterte dabei immer wieder, beinah wie ein Gebet.
“Geh nicht weg. Geh nicht weg … Geh nicht we …”
“Na schön, dann bleib eben erst Mal hier. Ich mach uns was zum Essen. Ich denke wir haben jetzt alle eine Stärkung nötig”, erklärte Susen.
“Ja, und besonders nen starken Kaffee!”, brummte Toni.
“Kommt sofort!”, entgegnete sie ihm und ging auf die Tür zu. Als sie den Raum verließ, atmete Toni schwer aus. Es war mir in diesem Moment völlig egal, was er von mir dachte und hiervon hielt. Er sollte einfach nur bleiben, bis ich wieder Herr meiner Sinne war. Schließlich gab er meinem Betteln nach. Er setzte sich ganz zu mir und legte die Beine auf die Decke. Mit dem Rücken lehnte er sich gegen den Bettpfosten und legte seinen Arm um mich. Ich konnte ihn noch einmal seufzen hören. Nun hätte ich doch gern gewusst, was in ihm vor sich ging. Ich robbte noch ein Stück näher an ihn heran und legte meinen Kopf auf seinen Oberkörper. Meinen Atem versuchte ich ihm anzugleichen und lauschte eine Weile seinem Herzschlag, bevor er die Stille unterbrach:
“Enrico, du stellst in letzter Zeit nur noch Blödsinn an. Auf dich aufzupassen ist schlimmer als ne Schachtel Flöhe zu hüten. Muss das alles wirklich sein? Du bist doch kein Kind mehr.. Ich war mit Anette keine zwei Stunden im Auto, da wusste ich schon, dass du wieder irgendwelchen Mist baust.” Ich atmete tief durch und erinnerte mich an den Schwur von letzter Nacht. Wenn ich das Gift überlebte, wollte ich alles anders machen. Jetzt hatte ich tatsächlich noch einmal die Chance dazu erhalten. Vorausgesetzt, ich bekam all meine Sinne zurück.
“Ich weiß”, entgegnete ich ihm leise und überlegte, wie ich ihm glaubhaft sagen konnte, dass ich mir tatsächlich vorgenommen hatte mich zu ändern. Ich hatte das so oft versprochen und es nicht gehalten.
“Ich muss ruhiger werden!”, gestand ich mir ein, “Wenn ich wieder sehen und mich richtig bewegen kann, fährst du mit Anette und Kira erst mal auf meine Kosten weg. Mindestens zwei Wochen. Ich werde meine Aufgaben für die Zeit abgeben und mich auch erst mal nur um meine Familie kümmern und …”
“Du raffst das echt nicht oder?”, fuhr er mir dazwischen. Er hob seinen Arm von mir und rutschte von mir weg, bis mein Kopf ins Kissen fiel. Ich spürte seinen zornigen Blick auf mir. Was hatte ich jetzt wieder falsch gemacht? Ich hatte das ernst gemeint, er hatte sich doch Urlaub verdient.
“Was kümmert mich dieser Urlaub? Ich kann jeder Zeit wieder mit Anette wegfahren, ich komm auch damit klar wenn sie mich anmeckert. Das ist mir doch so was von egal.” Das verstand ich nicht. Er war es doch der mit den Worten zur Tür rein kam, dass er meinetwegen stress mit Anette hatte. Warum war dann der Urlaub mit ihr nicht mehr wichtig?
“Toni, bitte!”, flehte ich ihn an damit aufzuhören. Ich hatte keine Kraft zum Streiten und ich ertrug seinen harten Tonfall nicht. Ich wollte einfach nur bei ihm liegen. Ich streckte meine Hand nach ihm aus, aber ich fand ihn nicht. Mein Bett war leer. Ich war wieder allein. Bei diesem Gedanken schossen mir erneut die Tränen in die Augen. Ich ließ meine Hand kraftlos ins Laken fallen, während ich Toni im Zimmer auf und abgehen hörte.
“Ich hab dich einmal beerdigen müssen. Glaubst du ich pack das noch mal? Raph ist auch total fertig mit den Nerven. Glaubst du es macht uns Spaß zuzusehen, wie du dich vor Schmerzen windest, oder von irgendwelchen Typen angeschossen oder halb tot geprügelt wirst? Ich kann mich nicht mal hinlegen und die Augen zu machen, ohne das ich mir einen Kopf machen muss, dass du in der Zeit in irgendwelche Schwierigkeiten gerätst. Macht dir das eigentlich Spaß, wenn wir vor Sorge fast umkommen? Was hast du bitte davon?”, schrie er mich an. Ich brachte zunächst nichts als Tränen heraus. Das alles war mir zu viel. Ich spürte wie mein Herz wieder schneller schlug und mein Atem raste. Er sollte aufhören damit. Ich wusste das alles schon.
“Hör auf … Hör auf … Hör auf!”, rief ich ihn immer lauter an, in dem Versuch ihn zu übertönen. Ich schaffte es nicht, stattdessen kam das Kratzen in meinem Hals zurück und ich musste husten. Als Toni mich hörte, verstummte er. Er atmete tief durch, als wenn er seine Wut erst einmal bei Seite schieben musste. Dann kamen seine Schritte wieder näher. Die Matratze hinter mir senkte sich unter seinem Gewischt. Ich spürte seinen warmen Oberkörper an meinem Rücken. Seine Arme legte er um mich und verschränket sie vor meinem Brustkorb übereinander. Er zog mich eng an sich heran. Ich konnte seinen heißen Atem an meinem Ohr spüren, als er mir sagte:
“Ich dachte letzte Nacht du stirbst mir unter den Händen weg. Ich will dich nicht verlieren, alles andere ist mir egal. Ist das denn so schwer zu verstehen?” Seine Umarmung tat gut, ich schaffte es mich so weit zu beruhigen um ihn bitten zu können:
“Ich weiß. Bitte, bitte verzeih mir!” Ich spürte warme Tropfen auf meinem Oberarm. Weinte er etwa? Ich legte meine Arme auf seine und lehnte den Kopf gegen seinen Oberarm. Ich wusste nicht was ihm noch sagen sollte, ich war einfach nur froh, dass er wieder bei mir war. Die Anspannung des Streites wich aus meinem Körper. Ich fühlte mich noch immer so elend und schlapp wie zuvor. Während ich die Augen schloss, strich ich sacht über seine Unterarme und nickte immer wieder ein. Ich hörte hin und wieder Tonis Stimme, wie er besorgt meinen Namen rief, aber ich war nicht fähig ihm zu antworten. Ich wollte einfach nur schlafen …

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BeitragThema: Re: ??. Kapitel ~In Dunkelheit~   Do Apr 07, 2011 12:55 pm

Etwas blendete mich. Mein Gesicht war warm, die Strahlen der Sonne fühlten sich gut an. Ich schreckte hoch und schlug die Augen auf. Ich sah mich um. Es war so hell, dass ich meine Hand vor meine Augen legte. Irgendetwas war anders als zuvor, ich konnte nur noch nicht in Worte fassen was. Ich betrachtete meine Hand. Das Licht brach sich an ihr und fiel in Strahlen durch die Schlitze zwischen den einzelnen Fingern. Das faszinierte mich. Ich begann meine Finger zu bewegen und beobachtete die Krümmung der Strahlen, die ich damit verursachte. Noch nie zuvor hatte ich darauf geachtet, wie schön Licht anzusehen war. Ich fuhr mit den Augen jeden Finger einzeln ab, bis zur Handinnenfläche. Ich konnte jede Narbe, jede Falte in der Haut so deutlich erkennen, als wenn ich eine Lupe darüber gehalten hätte. Ich ließ meine Hand sinken. Die Sonne schien mir direkt ins Gesicht, ich musste blinzeln, bis ich mich daran gewöhnt hatte und etwas erkennen konnte. Das Zimmer war in ein warmes Rotorange getaucht. Ich sah durch das Fenster direkt aufs Meer. Es funkelt in den Farben des Sonnenuntergangs, oder war es der Sonnenaufgang? Ich wusste nicht wie viel Zeit vergangen war und es war mir auch nicht wichtig. Ich fühlte mich von diesem Anblick wie magisch angezogen. Ich wollte aufstehen und zur Verandatür gehen. Ich wollte sie öffnen und hinaus ans Meer. Ich drückte mich von der Matratze ab und richtete mich auf, bis ich saß. Etwas schweres fiel mir in den Schoss. Ich sah an mir hinab und erkante Tonis Arm. Automatisch sah ich neben mich. Er hatte die Augen geschlossen, seine schwarzen Haare fielen ihm ins Gesicht und verdeckten es zur Hälfte. Er sah völlig erschöpft aus, seine Augenlieder waren geschwollen. Wie lange er wohl wach gewesen und sich Sorgen gemacht hatte, bevor ihn die Müdigkeit übermannte? Ich ließ mich zurück ins Kissen gleiten und drehte mich auf die Seite, um ihn genauer ansehen zu können. Ich konnte mein Glück kaum fassen, ihn wieder sehen zu können. Die ganze Zeit über musste ich einfach lächeln. Er sah so friedlich aus, wenn er schlief. Ich hatte ihn schon oft so gesehen aber nie genossen, wie schön das war. Sein Brustkorb hob und senkte sich in gleichmäßigen Abständen. Er hatte weder seine Jeans noch das schwarze Hemd ausgezogen, selbst die Schuhe hatte er anbehalten. Ich schüttelte amüsiert über ihn mit dem Kopf. Sein linker Arm lag noch immer in meinem Schoss. Ich fuhr mit meinen Blicken an ihm hinauf in Tonis braungebranntes Gesicht. Mit Zeige- und Mittelfingern strich ihm einige Strähne bei Seite und legte meine Hand auf seiner Wange ab. Eigentlich wollte ich ihn nicht wecken, aber ich musste ihn einfach berühren. Ich wollte wissen, ob dieses schöne Bild auch wirklich echt war. Toni rührte sich nicht. Er schien tief und fest zu schlafen. Mein Lächeln wurde noch etwas breiter. Ich schmunzelte über ihn. Es war selten, dass er so fest einschlief und nicht aufwachte, wenn ich ihn berührte. Ich lehnte mich über ihn und gab ihn einen Kuss auf die roten Lippen. Auch jetzt rührte er sich nicht. Ich lächelte ihn noch einmal an und betrachtete das ebenmäßige Gesicht. Es erschien mir noch immer wie ein Wunder, dass ich ihn sehen konnte. Ich strich ihm über die Wange, dann wuchs mein Verlangen aufzustehen. Ich befahl meinen Beinen sich nach dem Rand des Bettes auszustrecken. Dieses Mal gehorchten sie mir. Sie waren zwar schwer wie Blei und schmerzten, aber ich konnte ihnen meinen Willen aufzwingen. Überglücklich betrachtete ich meine Füße, die sich unter der Decker herauswanden und langsam auf den Boden glitten. Ich hatte nicht mehr zu schätzen gewusst, was für ein Glück es war, dass ich sie spüren und bewegen konnte, dabei hatte ich mir das in Italien geschworen gehabt. Es war wieder alltäglich und nichts besonderes geworden. Ich hatte wahrlich mehr Glück in meinem Leben als Verstand. Als ich den Boden erreichte fuhr ich mit den Zehen durch den flauschigen Teppich. Es kitzelte an meinen Fußsolen. Ob ich auch wieder die Kraft hatte zu stehen? Ich drückte mich mit den Armen von der Matratze ab. Sie zitterten unter der Anspannung. Ich spürte den Muskelkater im ganzen Körper und sackte zurück. Ich biss mir auf die Zähne, um nicht laut zu stöhnen. Ich wollte Toni nicht wecken, er hätte mich sicher ermahnt, dass ich liegen bleiben sollte und das wollte ich nicht. In mir tobte eine unbändige Freude darüber, dass ich wieder sehen und mich bewegen konnte. Ich musste diese Sinne austesten. Ich wollte mir alle Räume anschauen und mir jedes noch so kleine Detail einprägen. Ich wollte hinaus an den Strand gehen und das Meer ohne störende Fenster und Wände betrachten. Ich wollte das Rauschen laut und deutlich hören und die Meeresluft riechen. Ich wollte die Welt einmal ganz bewusst mit allen Sinnen erleben.
Noch einmal drückte ich mich von der Matratze ab und stemmte meine wackeligen Beine gegen den Boden. Schwankend kam ich auf die Füße. Die Freude darüber aufrecht zu stehen, vertrieb die Schmerzen aus meinen Knochen. Ich tapste vorsichtig einige Schritte vorwärts. Mit den Armen versuchte ich das Gleichgewicht auszupendeln, bis ich das Fensterbrett erreicht hatte. Ich griff danach und musste mich erst einmal festhalten. Es waren höchstens vier Schritte gewesen, die ich gehen musste, trotzdem war ich außer Atem. Ich sah die Strecke zurück, die ich gegangen war und freute mich über den kleinen Erfolg. Toni lag noch immer so im Bett, wie ich ihn zurück gelassen hatte. Sehr gut. Vielleicht schaffte ich es ja bis zur Tür? Ich drückte mich von der Fensterbank ab und schlurfte los. Mit meinem Ziel fest vor Augen erreichte ich sie schließlich. An der Wand neben der Tür musste ich eine kurze Rast einlegen. Ich lehnte mich gegen sie und Atmete tief durch. Verstohlen sah ich zur Seite. War Toni inzwischen aufgewacht? Er hatte sich auf den Bauch gedreht, den Rücken der Sonne zugewandt. Scheinbar hatte ihn das Licht gestört. Ich versuchte meinen Atem schnell wieder unter Kontrolle zu bringen, damit er ihn nicht hörte. Er sollte weiter schlafen. Ich konnte dir Freiheit das Zimmer zu verlassen schon förmlich spüren. Ich wollte nicht zurück ins Bett müssen. Aufmerksam beobachtete ich ihn, bis sein Brustkorb gleichmäßig hob und senkte. Ich atmete erleichtert auf, dann griff ich nach der Klinke. Ich drückte sie so sanft wie möglich hinunter, um kein Geräusch zu verursachen und öffnete die Tür vorsichtig. Als der Spalt groß genug war, schlüpfte ich hindurch. Die Tür ließ ich offen stehen, aus Sorge er könnte mich dabei hören, wenn ich sie schloss. Ich warf noch einen Blick zurück. Er hatte sich nicht bewegt. Ich lächelte erfreut darüber und tastete nach der Wand neben der Tür. Ich stütze mich an ihr ab, während ich dem langen Flur folgte, der ins Wohnzimmer führte. Ich schaffte diese Streck viel besser als die erste. Ich brauchte erst im Wohnzimmer eine Pause einlegen. Auch hier hatte die Sonne das ganze Zimmer Rotorange eingefärbt. Mir kam es so vor, als wenn ich die Farben nun viel intensiver wahrnahm, als zuvor. Alles leuchtete. Das weiße Sofa strahlte so intensiv, dass ich wegsehen musste. Auch der Glastisch und die gläsernen Türen der Schrankwand stachen in meinen Augen. Ich wand mich nach links ab. Nun fiel mein Blick direkt in die Küche. Die Tür stand wie immer offen, so konnte ich den Kühlschrank sehen. Wie auf ein unsichtbares Kommando hin, begann mein Magen zu knurren und ich bekam einen brennen Durst. Ich humpelte in die Küche und griff an die Tür des Hängeschrankes. Ich nahm mir ein Glas heraus und füllte es mit Leitungswasser. Ungeduldig wartete ich bis es voll war und trank es in einem Zug leer. Das reichte nicht entschied ich und füllte es weitere zwei Mal, bis ich keinen Durst mehr verspürte. Ich hatte so hastig getrunken, dass ich mich einen Moment an der Spüle abstützte und durchatmen musste. Das leere Glas stellte ich auf der Spüle ab, dann tastete ich mich vor bis zum Kühlschrank. Ich öffnete ihn und betrachtete das reichhaltige Angebot. Da gab es Pudding und Jogurt, Wurst und Käse, Eier, Butter, eine Packung Wienerwürstchen und so vieles mehr. Ich entschied mich für die Wiener und nahm die ganze Packung an mich. Ich zog die Schutzfolie ab und fischte mir eine der Wiener heraus. Ich verschlang sie hungrig und holte mir zeitgleich eine zweite aus der Verpackung. Mit langsamen Schritten verließ ich die Küche, bis ich im Wohnzimmer stand. Mit der zweiten Wiener im Mund sah ich mich um. Es war so ruhig hier. Ob Susen und Raphael nach der ganzen Aufregung auch schliefen? Ich überlegte was ich als nächstes tun wollte und sah auf die Haustür. Mir fiel mein Vorhaben ein, an den Strand zu gehen und den Sonnenaufgang zu bewundern. Ich lief los und vergas dabei die kleine Stufe, die den Flur vom Wohnzimmer trennte. Ich stolperte sie hinab und griff nach links, um mich an etwas festzuhalten. Ich sah im Augenwinkel meinen Flügel den ich bei Raphael abgestellt hatte, bis die Umzugs- und Renovierungsarbeit abgeschlossen waren. Ich fing mich am Deckel für die Tasten ab und blieb einen Moment stehen. Das wäre fast schief gegangen. Mit dem Kopf hätte ich den Schemel getroffen, der vor dem Klavier stand. Ich schüttelte über mich selbst den Kopf. Ich war genau so schlimm wie immer. Hatte ich mir nicht vorgenommen ruhiger zu werden? Wieso blieb ich also nicht im Bett liegen, wo ich in so einem Zustand hingehörte? Ich kannte die Antwort, es war mir zu langweilig. Ich richtete mich wieder auf und betrachtete den schwarzen Flügel, der an der Wand stand, hinter der sich die Küche erstreckte. Er passte hier nicht hin. Direkt neben der Eingangstür musste man immer aufpassen das man den Flügel nicht traf, wenn man in die Villa hinaus oder hinein wollte. Wurde wirklich Zeit das Aarons Villa fertig wurde und er hier weg kam. Ich hatte schon so einen schönen Platz für das gute Stück gefunden. Warum hatte ich mir auch vorgenommen die Villa selbst zu renovieren? Ich hatte genug Geld um eine Firma kommenzulassen, die das viel schneller erledigen konnte. Warum tat ich das also nicht? Ich war es immer gewohnt gewesen mir selbst zu besorgen, was ich haben wollte, so langsam konnte ich mir das wirklich abgewöhnen. Ich hätte im Leben nicht ausgeben können, was mir Aaron hinterlassen hatte, selbst wenn ich mir mit goldenem Klopapier den Arsch abgewischt hätte. Ich musste den Luxus endlich mal genießen lernen, anstatt davor davon zulaufen.
Ich stellte die Packung mit den Wienern auf dem Boden ab und öffnete den Deckel des Klaviers, der die Tasten schützte, dann setzte mich auf den Schemel. Ich hatte schon so lange nicht mehr gespielt. Mir fiel nicht einmal mehr ein wie lange genau es zurück lag. Meine Violine hatte ich für Amy hin und wieder ausgepackt, wenn sie nicht einschlafen konnte, aber Klavier spielen …
Mich begann es in den Fingern zu jucken, als ich die schwarz, weißen Tasten sah. Mir war bewusst, dass ich spätestens nach dem ersten Ton alle aufgeweckt hatte, aber ich konnte nicht widerstehen. Ich legte meine Hände auf die Tasten. Sie fühlten sich verkrampft an. Noch bevor ich einen Ton angeschlagen hatte, nahm ich sie zurück und sah sie skeptisch an. Ich ballte sie zu Fäusten und öffnete sie wieder. Etliche Male wiederholte ich diesen Vorgang, aber sie wollten sich nicht lockern. Ich würde damit kein Lied vernünftig spielen können. Ich seufzte resigniert. Die Krampfanfälle waren sicher nicht einmal einen Tag her, wie konnte ich da erwarten, dass alles wie gewohnt funktionierte. War es überhaupt wichtig fehlerfrei zu spielen? Ich verneinte mir selbst diese Frage. Ich wollte einfach nur den lang vermissten Klang des Flügels hören und wenn es nur eine einfache Melodie war.
Ich legte meinen linken Arm auf den Flügeldeckel und lehnte meinen Kopf dagegen. Ich schloss die Augen und begann mit der rechten Hand eine Melodie zu spielen, die mir schon die ganze Zeit im Kopf herum spuckte. Sie gehörte zu einem Lied, dass ich vor vielen Jahren komponiert hatte. Ich hatte es oft mit Toni gemeinsam gespielt. Es war eine Entschuldigung an ihn gewesen, als wir uns einmal zerstritten hatten. Passender Weiße trug es den Namen “Sorry”. Ich spielte die Melodie langsamer als sonst, eine Note nach der anderen und lauschte dabei den vertrauten Tönen.


Ps.: Bei dem letzten Teil dieser Szene hab ich die ganze Zeit überlegt, woher das Klavier kommt. Ich hab mich zwar Klavier spielen gesehen, aber ich konnte mich beim besten Willen nicht daran erinnern, dass es in Raphs Villa einen Flügel gab. Beim Schreiben hab ich dann überlegt wessen Flügel das ist und ich wusste das es meiner war. Dann hab ich auch verstanden warum er nicht in die Villa gepasst hat. Er stand dort nur kurz^^. Und war eigentlich nur im Weg, dort wo er stand. Das nur am Rande erwähenen wollte. Ich wollte diese Szene nämlich unbedingt drin haben konnte mich aber nicht mit dem Flügel anfreunden. Raph hatte eben keinen ...

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BeitragThema: Re: ??. Kapitel ~In Dunkelheit~   Do Apr 07, 2011 4:57 pm

Ich hatte keine vier Tasten angespielt da konnte ich aus Richtung Flur Schritte hören. Berührungen hatten Toni nicht zu wecken vermocht, aber diese Melodie schon. Ich schmunzelte und wartete nur darauf, dass er mich beschimpfen würde. Seine Schritte kamen zügig näher. Ich öffnete nicht einmal die Augen und spielte weiter, als wenn ich ihn nicht hören würde.
Auch im Stockwerk über mir waren Schritte zu hören. Ich schmunzelte wieder. Ich konnte es einfach nicht lassen, sobald es mir etwas besser ging, musste ich die Aufmerksamkeit meiner Mitmenschen auf mich ziehen. Sicher würde ich das nie komplett abstellen können, aber zumindest konnte ich ihnen damit zeigen, dass es mir inzwischen besser ging.
Toni war der erste der das Wohnzimmer erreichte. Ich hob meinen Blick in seine Richtung und lächelte ihn verstohlen an. Die Wiener hatte ich dabei noch immer im Mund. Ich gab bestimmt ein reichlich merkwürdiges Bild ab, nach allem was vorgefallen war. Es reichte zumindest dass Toni einen Moment lang schwieg und stehen blieb, während er mich entgeistert musterte. Als er keine weitere Reaktion zeigte, kaute ich den Rest der Wurst und schluckte sie hinunter. Mit einem schwenk meines Kopfes deutete ich ihm an, dass er zu mir kommen sollte. Ich wollte mit ihm zusammen spielen, wie in alten Zeiten, aber er rührte sich nicht. Sein Blick wurde zunehmend ernster. Ich seufzte in Erwartung der unfreundlichen Worte, die er mir gleich an den Kopf werfen würde.
“Sag mal raffst du dich eigentlich noch? Wieso stehst du schon auf?” Ich wand meinen Blick von ihm ab und sah zurück auf die Tasten. Ich spielte die Melodie leise weiter, während ich nach Worten suchte, um seine Wut zu schmälern und keinen neuen Streit anzufangen.
“Es geht mir besser! Ich konnte nicht mehr liegen bleiben”, war alles was mir einfiel.
“Enrico, du hast gerade eine schwere Vergiftung überlebt, kannst du es nicht mal jetzt sein lassen?” Ich gab ihm keine Antwort darauf. Es war doch nicht schlimm das ich hier saß und ein bisschen Klavier spielte. Ich hatte nicht einmal das Haus verlassen.
Ich mied Tonis vorwurfsvollen Blick, bis ich Schritte auf der Wendeltreppe hören konnte. Auf der Hälfte waren Susen, Raphael und Judy stehen geblieben. Sie sahen zu uns herab. Toni und ich sah zu ihnen hinauf.
“Klärt ihr das mit ihm, ich hab keinen Nerv mehr dafür!”, meinte Toni in dem selben finsteren Tonfall. Er drehte sich um und ging ins Gästezimmer zurück.
“Ich konnte nicht mehr liegen!”, versuchte ich meiner Familie zuvor zu kommen und ihnen den Wind für eine Strafpredigt aus den Segeln zu nehmen. Es half nichts.
“Geh wieder ins Bett!”, befahl Susen mir. Mit ausgestrecktem Arm und Zeigefinger deutete sie auf den Flur, in dem sich die Gästezimmer befanden. Ich wand meinen Blick von ihr, Raphael und Judy ab und sah zurück auf die Tasten.
“Nein, ich will nicht!”, antwortete ich ihr trotzig.
“Geht ihr wieder ins Bett, ich mach das schon!”, schlug Judy vor. Ich hörte wie sie ihren Morgenmantel zuzog und mit langsamen Schritten die Treppe hinunter kam. Ich riskierte einen kurzen Blick Richtung Wendeltreppe. Susen und Raphael sahen noch einmal in meine Richtung und schüttelten mit dem Kopf, bevor sie die Stufen wieder hinauf stiegen und verschwanden. Ich seufzte und unterbrach das Spielen auf dem Klavier. Jetzt waren sie schon wieder alle sauer auf mich. Ich konnte scheinbar nichts richtig machen, selbst wenn ich demonstrierte, dass es mir besser ging, war auch das falsch. Ich legte meinen rechten Arm über den linken auf dem Flügel ab und ließ meinen Kopf darauf sinken. Judy kam um den Flügel herum, sie setzte sich neben mich auf den schmalen Schemel und schloss den Deckel des Klaviers über den Tasten. Ich vermied es sie anzusehen und wartete darauf, dass auch sie mir Vorhaltungen machte. Es dauerte lange bis sie zu sprechen begann. Sie redete leise aber mit fester Stimme:
“Enrico, wir haben uns die ganze Zeit große Sorgen um dich gemacht. Susen meinte sogar, dass es an ein Wunder grenzt, dass du das überlebt hast. Bitte lass uns wieder zurück ins Bett gehen, bevor du zusammen brichst. Auch wenn du das nicht hören willst: Du brauchst noch Ruhe. Komm doch erst mal wieder zu Kräften, bevor du den nächsten Unsinn anstellst.” Was für einen Unsinn? Ich hatte doch nur Klavier gespielt. Ich vermied es ihr diese Frage zu stellen. Ich wollte mich nicht darüber Streiten, dass ich aufgestanden war. Als ich meinen Blick ihr zu wand, versuchte ich das Thema zu wechseln:
“Wir sollten für die Villa eine Firma beauftragen, dann dauert es nicht so lange und wir haben weniger Arbeit!”
“Enrico … Ist das jetzt wirklich wichtig?”, seufzte sie. Ich erkannte an ihrem flehenden Blick, dass sie das Thema nicht begraben würde. Ich wand meinen Blick von ihr ab und sah auf das Meer hinaus. Ihre Finger legten sich um meine Wange, sie drehte mein Gesicht zu sich zurück, damit ich sie ansehen musste, als sie weiter sprach:
“Komm jetzt, wir legen uns ins Bett!”, ihr Tonfall war befehlender geworden. Sie nahm meine Hand und stand auf. Demonstrativ blieb ich sitzen. Ich wollte nicht in eines der engen Zimmer zurück. Ich musste raus aus diesen vier Wänden, bevor sie mich erdrückten. Als sie mich am Arm hochziehen wollte, hielt ich dagegen.
“Ich hab eine bessere Idee”, versuchte ich sie zu beschwichtigen. Vielleicht konnte ich ja einen Kompromiss mit ihr schließen. “Wir nehmen uns eine Decke und legen uns draußen in den Sand. Bitte ich brauch frische Luft, außerdem scheint die Sonne so schön.”
“Du bist unmöglich!”, brummte sie, ihr Tonfall hatte sich etwas aufgelockert. Also hatte ich eine Chance sie zu überreden?
“Bitte?”, bat ich sie mit dem liebsten Dackelblick den ich auf Lager hatte. Sie seufzte ergeben und ließ meine Hand los.
“Na schön, ich hol uns eine Decke, aber du bleibst so lange hier sitzen, bis ich wieder da bin.” Ich nickte und sah ihr nach, wie sie über die Wendeltreppe zurück in den ersten Stock lief. Als ich sie nicht mehr sehen konnte atmete ich erleichtert durch. Eigentlich wäre das der Moment gewesen, wo ich mich normaler Weise aus dem Staub gemacht hätte. Aus reiner Gewohnheit sah ich Richtung Haustür, dann erst verwarft ich den Gedanken. Ich musste endlich damit aufhören. Was hatte ich davon, jetzt wegzulaufen. Ich kam sowieso nicht weit und wohin hätte ich gehen sollen. Alles was mir wichtig war, war hier. Sie waren ja nur so wütend, weil sie sich Sorgen machten. Als Judy die Treppe mit einer Decke wieder hinab stieg, lächelte ich sie an. Sie wunderte sich einen Moment, dass ich tatsächlich noch auf dem Schemel saß und auf sie gewartet hatte, sagte aber nichts. Sie erwiderte mein Lächeln und ging die letzten Stufen etwas schneller als zuvor. Als sie mich erreicht hatte, drückte ich mich am Klavier ab und stemmt mich in die Höhe. Als ich auf beiden Beinen stand, drehte sich einen Moment lang alles. Ich stützte mich wieder auf das Klavier und schloss die Augen, bis der Schwindel vorüber ging. Judys Hände legten sich um meinen linken Arm und meine Schulter.
“Alles OK?”, wollte sie besorgt wissen. So kannte ich sie gar nicht. Ich sah sie etwas irritiert an. Hatte es denn in den letzten Tagen wirklich so ernst um mich gestanden, dass selbst sie sich ernsthafte Sorgen gemacht hatte.
“Bist du sicher, dass wir nicht lieber ins Bett gehen?”, wollte sie von mir wissen. Ich verlagerte alles Gewicht zurück auf meinen Beine und stieß mich vom Klavier ab. Ich war einfach nur zu schnell aufgestanden, ich wollte nicht in ein Bett.
“Ganz sicher!”, entgegnete ich ihr ernst. Ihr besorgter Blick wurde nun resigniert. Sie wusste dass sie gegen meinen Willen nicht ankam.
“Na schön, dann legen wir uns wenigstens in das Gras hinter der Villa, dass ist nicht so weit.” Ich gestand ihr diesen Kompromiss zu, Hauptsache ich kam aus der Villa heraus. Während Judy meinen Arm nicht wieder frei gab, gingen wir gemeinsam an dem großen Glastisch vorbei und auf die Veranda zu. Ich fand es lächerlich das sie mich stützen wollte. Ich konnte schon ganz gut allein laufen, aber ich blieb dieses Mal still. Ich wollte mich ändern, sagte ich mir immer wieder. Das hatte ich mir geschworen, wenn ich das Gift überlebte und daran wollte ich mich auch halten.
Judy öffnete die Verandatür und trat ins Freie. Erst jetzt gab sie meinen Arm frei um die Decke auszubreiten, auf die wir uns legen wollten. Ich blieb in der Verandatür stehen und hielt mich am Rahmen der Tür fest. Meine Beine waren wackliger gewesen als ich dachte. Wahrscheinlich hätte ich ohne Judy das Stück bis zur Veranda nicht geschafft. Ich war froh, als sie die Decke ausgebreitet hatte und zurück kam um mich das letzte Stück bis zur Decke zu stützen. Schwerfällig ließ ich mich auf die Decke nieder und konnte auch im sitzen kaum das Gleichgewicht halten. Ich schloss die Augen und atmete einige Male aus und ein. Die frische Meeresluft tat gut, aber sie vertrieb den Schwindel nicht.
“Enrico?” Als Judy mich ansprach öffnete ich die Augen wieder. Sie hatte schon wieder einen so untypischen besorgten Gesichtsausdruck.
“Es geht mir gut!”, log ich sie an und lehnte mich zurück. Als ich lag, ließ der Schwindel endlich nach.
“Soll ich Susen holen?”, wollte sie von mir wissen und beugte sich über mich. Sie hatte mir meine Lüge also nicht geglaubt?
“Nein, es geht wieder! Wir bleib einfach liegen”, versicherte ich ihr und streckte meinen Arm nach ihr aus. Ich winkte sie mit der Hand zu mir. Sie sah mich noch einen Moment lang skeptisch an, dann legte sie sich zu mir.

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BeitragThema: Re: ??. Kapitel ~In Dunkelheit~   Fr Apr 08, 2011 9:20 am

Hi Schnuckel,
also der erste Beitrag also vom neuen, kann ich mir schon gut vorstellen, dass der so war. Aber der andere Teil ... da bin ich etwas skeptisch. Ich denke nicht, dass ich so reagiert habe. Klar hab ich vielleicht ein paar grummelige Worte von mir gegeben. Aber mehr auch nicht. Ich fand es sogar gut. Dich spielen zu hören war einfach toll. Und ich weiß nicht, aber ich sehe mich wirklich, mit dir spielen, weil ich eben merke, dass du es noch nicht so schaffst. Und auch das mit Judy ... weiß nicht so recht. Kommt mir nicht bekannt vor.

Ach ja, was willst du damit eigentlich aussagen?
Zitat :

“Sag mal raffst du dich eigentlich noch?


Raffen ... ok, das weiß ich ja was das heißt, aber ich bekomme den Satz jetzt nicht so hin, dass es für mich einen Sinnn ergibt. Und außerdem würde ich das auch so weder sagen, noch würde ich das an deiner Stelle so schreiben.

Und was mir noch aufgefallen ist, du hast wieder zu viele Ich am Anfang. Aber diesmal ganz schön heftig. Aber ich weiß ja, dass du das hier ja auch noch mal überarbeitest. Ist ja jetzt nicht so, dass es so extrem stört.

knuddel dich mal
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BeitragThema: Re: ??. Kapitel ~In Dunkelheit~   Fr Apr 08, 2011 12:28 pm

Ich muss gestehen, ich lag gestern abend im Bett und irgendwie hat mich der letzte Teil auch gestört. Ich hatte auch das Gefühl das es irgendwie so nicht richtig ist. Ich komm da nämlich auch nicht weiter, weil die Stelle da irgendwie keine Bilder mehr in meinem Kopf erzeugt.
Kannst du mir noch mal kurz beschreiben, was du dazu siehst. Also wenn wir zusammen spielen wie das so abgelaufen ist?
Ich werde das denke ich noch mal umschreiben. NUr irgendwie hab ich das nicht mehr so genau im Kopf.

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