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 ??. Kapitel ~Ein Jahr später~

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Enrico
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BeitragThema: ??. Kapitel ~Ein Jahr später~   Sa Jan 08, 2011 12:43 pm

??. Kapitel
~Ein Jahr später~
Jetzt war er schon ein Jahr lang Aarons Auftragskiller, aber an dieses ständige Rumgeballere hatte er sich noch immer nicht gewöhnt. Hinter einem Stützpfeiler hatte Enrico Deckung gesucht. Die Magazine seiner beiden Pistolen waren leer. Mit zitternden Händen griff er in die Taschen seiner Lederjacke, suchte in ihr die vollen Magazine.
Schüsse hämmerten in den Beton des Pfeilers, hinter dem er sich versteckte hatte. Bei jedem einzelnen fuhr Enrico zusammen. Warum nur musste das wechseln der scheiß Magazine so lange dauern? Wenn er nur seine Hände unter Kontrolle bringen könnte.
Wieder krachte eine Kugel in den Pfeiler, schlug einen großen Brocken Beton auf Enricos Schulter. Ein Blitz des Entsetzens durchfuhr seinen Körper. War er getroffen wurden? Nichts, kein Schmerz kein Blut. Es war nur ein Steinbrocken gewesen.
“Daneben!”, schrie Enrico seine Gegner an, um sich wieder Mut zu machen. Jetzt nur nicht die Nerven verlieren. Die Magazine in seinen Jackentaschen hatte er gefunden, die Leeren aus seinen Pistolen hatte entfernt. Jetzt musste er die neuen nur noch einschieben.
Was trieb Toni eigentlich die ganze Zeit? Er war doch sonst so zielsicher.
“Bandel! Tu endlich was!”, schrie Enrico so laut, das seine Stimme als Echo von den Wänden der alten Lagerhalle zurück geworfen wurde.
“Tu gefälligst selbst mal was! Ich kann nicht alles alleine machen”, rief Toni vom anderen Ende der Halle zurück. Wie gut es tat seine Stimme zu hören, da störte Enrico der aufgebrachte Ton gar nicht. Er war also noch am Leben und da um ihm Rückendeckung zu geben.
“Ich hasse es zu töten!”, rief Enrico ihm zu. Konnte Toni die Kerle nicht einfach über den Haufen schießen, so wie sonst immer?
“Herrgott tu’s einfach! Ich muss vielleicht auch mal nachladen.”
Gerade als Enrico ihm antworten wollte, schlugen erneut Kugeln hinter ihm in den Pfeiler ein. Mit jedem abgefeuerten Schuss hämmerte sein Herz härter gegen seinen Brustkorb, dabei hatte er sich gerade etwas beruhigt gehabt. Seine Beine fühlten sich an wie Pudding, während sein Atem raste. Viel zu viel Adrenalin schoss durch seinen Körper. Konnten die Kerle nicht mal wo anders hin schießen? Wie sollte er sie treffen, wenn sein ganzer Körper bebte. Toni war ein viel gefährlicherer Gegner als er, sollten sie doch ihn unter Beschuss nehmen, ihm machte das wenigstens nicht so viel aus. Mit zitternden Fingern drückte Enrico die vollen Magazine in seine Pistolen, lud sie durch. Wenn er richtig mitgezählt hatte, waren die Magazine seine Gegner inzwischen leer. Ob er wagen konnte seine Deckung zu verlassen?
Einen flüchtigen Blick warf Enrico um den Pfeiler herum. Wo waren die zwei Kerle, die noch übrig waren? Mit den Augen suchte Enrico die Halle ab, dann donnerte es schon wieder. Gerade noch so konnte er den Kopf zurück ziehen.
“Scheiße!”, fluchte er in sich hinein, drückte sich mit dem Rücken gegen den Pfeiler. Mit geschlossenen Augen wartete er ab, bis die Schüsse verhalten, die hinter ihm in den Beton prasselten. Wie er das hasste.
“Enrico, rechts von dir!”, durchschlugen Tonis Worte seine Gedanken. Die Augen riss Enrico auf, sah vollautomatisch nach rechts. Im Augenwinkel konnte er eine Waffe erkennen, einen Lauf, der auf ihn zielte. Reflexartig riss Enrico seine Pistolen nach oben, feuerte sie in die Richtung, aus der die Gefahr drohte. Immer wieder drückte er ab, so lange bis kein Kugeln mehr seine Waffen verließen. Hatte er getroffen? War die Gefahr gebannt? Bei den donnernden Schüssen hatte er ständig blinzeln müssen, erst jetzt wo es wieder still war, konnte Enrico den jungen Mann sehen, der zuvor seine Waffe auf ihn gerichtet hatte. Er war in sich zusammen gebrochen. Das ganze Gesicht hatte er ihm weggeschossen. Die Brust war von unzähligen Löschern gesiebt. Der Anblick würde ihn wieder Monate lang in seinen Alpträumen verfolgen. Angewidert davon wand Enrico seinen Blick ab. Jetzt hatte er es wieder getan und was noch viel schlimmer war, seine Magazine waren leer. Mit einem tiefen Seufzer ließ er die leeren Magazine aus seinen Waffen fallen. Wenn er so weiter machte, hatte er bald keine Munition mehr. Zu den Taschen an seiner Hose griff Enrico, versuchte mit seinen zitternden Händen hinein zu kommen. Das Magazin konnte er schon zwischen seinen Fingern spüren, als sich etwas hartes gegen seine Schläfe drückte.
“Das war mein kleiner Bruder!”, schrie ihn eine raue Männerstimme an. Wie paralysiert sah Enrico den Mann an, der ihm die Pistole an den Kopf hielt. Einen Schritt taumelte er vor ihm zurück. Das war es, hier und jetzt würde er ins Gras beißen und er hatte es verdient. Der Bruder dieses Kerls war lange nicht mehr der einzige den er auf dem Gewissen hatte. Allein in dieser Nacht hatte er schon drei Menschen getötet.
Der Zeigefinger des Mannes legte sich um den Abzug. Die Zeit schien stehen zu bleiben. Für einen Augenblick meinte Enrico seinen Leben noch einmal ablaufen zu sehen. Seine Kindheit mit Raphael, das Training mit Robin, den Kampf von eben. Selbst das Blitzlicht, das einem Schuss aus dem Lauf einer Pistole voraus ging, meinte Enrico schon sehen zu können, dann viel ein Schuss. Ein lauter Knall vor dem Enrico reflexartig die Augen schloss, die Luft anhielt. War es vorbei? War das der Tot? Es tat nicht einmal weh. Wie es wohl in der Hölle aussah? Ob er wagen konnte die Augen wieder zu öffnen?
“Du bist noch immer ein Anfänger!”, spottet Toni. War er etwa auch gestorben. Die Hand seines Freundes konnte Enrico auf seiner Schulter spüren. Vorsichtig öffnete er erst ein, dann das andere Auge. Kopfschüttelnd sah Toni an ihm vorbei. Sie waren noch in der Halle, also doch nicht tot? Hatte Toni etwa? An seinem Freund sah Enrico vorbei. Natürlich hatte er. Der Mann der ihn bedroht hatte, lag mit einer Schusswunde im Kopf am Boden. Tonis Lieblingstötungsmethode. Von der Leiche musste Enrico seinen Blick abwenden. Das Blut, das in Strömen den Kopf des Mannes verließ und sich auf dem Boden verteilte, rief in ihm Brechreiz hervor.
“Musst du die immer regelrecht hinrichten? Geh mal ein bisschen sparsamer mit unserer Munition um. Die ist teuer”, tadelte Toni. Die Hand nahm er von Enricos Schulter, ging vor dem toten Mann in die Hocke um seinen Leiche nach Waffen und Munition zu durchsuchen. Tonis Worte nahm Enrico nur gedämpft war. In seinem Kopf dröhnte es noch immer von den lauten Schüssen. Seine Knie zitterten, genau so wie seine Hände. Ein Gefühl von Schwerelosigkeit machte sich in ihm breit. Das Gefühl überlebt zu haben, schleuderte noch einmal einen Adrenalinschub durch seine Adern.
“Komm schon! Sehen wir nach wo sie die Kohle gebunkert haben. Ich will hier raus sein, bevor die Bullen aufkreuzen.” Am Arm zog Toni ihn einfach mit sich. Im Adrenalinrausch folgte Enrico ihm wie betrunken. Noch immer raste sein Herz, während sein Atem nur langsam wieder einsetzen wollte. Die Typen sind tot, du hast überlebt, alles ist gut, versuchte er sich einzureden. Er musste sich wieder beruhigen. Das war nicht sein erster Kampf gewesen. Langsam müsste er sich an so etwas doch gewöhnt haben.

Über eine Treppe zerrte Toni ihn in den zweiten Stock. Ob er hier wohl ihre Beute vermutete? Ganz allmählich ließ das Kribbeln in seinen Adern nach, sein Blut beruhigte sich. In seinem Kopf konnte Enrico wieder klare Gedanken fassen. In dem Büro das Toni ihnen aufschloss gab es nur einen Tisch. Wie sie vermutet hatten, waren die Männer, die sie getötet hatten dabei gewesen das weite zu suchen. Alle Möbel waren abtransportiert wurden, bis auf den Tisch und den Koffer auf ihm. Zielsicher steuerten sie beide darauf zu. Ob dass das Geld war, das Aaron zurück wollte? Als Toni den Koffer öffnete, sah Enrico ihm gespannt zu. Hoffentlich waren es auch wirklich 100. 000 Euro.
Als Toni den Deckel des Koffers aufklappte, hatten sie freien Blick auf etliche gebündelte Geldscheine. Genug um ein Auto zu kaufen?
“Sieht so aus als wäre noch alles da. Also dann Abflug!”
“Ich nehm den Koffer!”, entschied Enrico. Ohne eine Antwort abzuwarten, schlug er den Koffer wieder zu und nahm ihn an sich. Misstrauisch wurde er dabei von Toni gemustert. Ob er wohl ahnte, was Enrico mit dem Geld vor hatte? Er hatte schon so oft seine Gedanken erraten.
“Was geht schon wieder in deinem Kopf vor sich?”, wollte er ernst wissen. Die Arme stemmte er dabei in die Seite. Einer Drohung gleich funkelte er unter seinen strähnigen Haaren hervor. Ein breites Grinsen schlich sich auf Enricos Gesicht. Wenn er ihm das jetzt verraten hätte, hätte Toni mit dem Koffer das Weite gesucht.
“Nichts!”, versuchte Enrico zu lügen. Mit dem Koffer unter dem Arm verschwand er durch die Tür. Tonis Schritte eilten ihm sofort nach. Besser er ging einen Schritt schneller.
“River, treib mich nicht in den Wahnsinn! Wir bringen den Koffer zu Aaron und dann geht’s nach Hause. Ich hab die Schnauze voll für heute!”, rief Ton ihm ernst hinterher.
“Ja, Chef!”, gab Enrico ihm belustigt zurück. Mit schnellen Schritten lief er die Treppe nach unten und durch eine Tür ins Freie. Tonis Schritte eilten ihm hinterher. Wütend war seine Stimme als er ihn am Arm packte und zur Rede stellte:
“Ich versteh da keinen Spaß Enrico! Der Koffer kommt zurück zum Chef und wir gehen nach Hause!”
“Ja, der Koffer kommt zurück zu Aaron.” So ernst wie möglich versuchte Enrico bei seinen Worten zu bleiben. Er war einfach ein schlechter Lügner, ganz besonders Toni gegenüber. Bei ihm hatte Enrico immer das Gefühl er könnte seine Gedanken lesen. Misstrauisch musterte Toni ihn noch lange. Aus seinem Griff riss Enrico sich los, ging die wenigen Schritte bis zu seinem Motorrad. Erst als er auf ihm saß, den Koffer vor sich, wagte er zu sagen:
“Wir bringen ihn zurück, nur nicht sofort!” Wieder konnte Enrico nicht anders, er musste Toni breit angrinsen. Mit dem Geld hatte er noch etwas besonders vor. Er hatte sein Leben nicht dafür riskiert ihn einfach nur abzuliefern. Während Toni ihn hasserfüllt ansah und ihm sicher gerade die Pest an den Hals wünschte, drehte Enrico den Schlüssel im Zündschloss und gab Gas. Mit quietschenden Reifen fuhr er los, ließ Toni stehen. Aber sicher nicht für lange. Auch Toni stieg auf seine Maschine, fuhr ihm mit quietschenden Reifen nach.
“Du Irrer! Was hast du jetzt wieder vor?”, wollte er von ihm wissen, als er ihn eingeholt hatte. Auf gleicher Höhe fuhr Toni neben ihm her, sah ihn wütend an.
“Raphael hat morgen Geburtstag. Ich will zu Eric und die Kohle verdoppeln, dann kauf ich Raph die Viper die wir gestern gesehen haben.”
“Was? Dir ist wohl das Adrenalin eben nicht bekommen?”
“Hast du nen bessern Plan wie wir bis Morgen an 90.000 Euro kommen sollen?”
“Warum muss es unbedingt die scheiß Viper sein?”
“Weil er mir mit dem Auto seit ich zurück denken kann auf die Nerven geht! Was glaubst du wie der kucken wird?”
“Gib mir den Koffer du Wahnsinniger!” Als Toni nach dem Koffer Griff fuhr Enrico ein Stück zur Seite, gerade so weit, das Toni ins Leere griff.
“Sie lieber nach vorn!”, riet er ihm stattdessen. Als Toni allarmiert von seinen Worten nach vorn sah und einem entgegenkommenden Auto ausweichen musste, bog Enrico an einer Kreuzung ab, die Toni notgedrungen überfahren musste.
“Wir treffen uns im Mitnightsclub!”, rief Enrico ihm lediglich nach, dann schaltete er noch einen Gang höher, um den gewonnen Abstand auszubauen.

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Nur wer die Hölle kennt, weiß den Himmel zu schätzen.
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