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Enrico
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BeitragThema: Prolog   Mi Jan 05, 2011 3:03 pm

Prolog
Seit Toni ihn in der kleinen Seitenstraße gesehen hatte, folgte er diesem Kerl wie ein Schatten. Er kannte ihn nicht, er wusste nur über den roten Drachen bescheid, denn der junge Mann auf der Rückseite seines Ledermantels trug, aber das reichte ihm.

Toni war auf der Jagd, wie jede Nacht seit gut fünf Jahren. Seine Ziele waren die Mitglieder der roten Drachen. Wie eine Seuche hatten sie sich in der Stadt ausgebreitet und er war der einzige, der sie in die Hölle zurückschickte, aus der sie kamen. Jeden von ihnen, bis keiner mehr übrig war. Der Griff um die Pistole in seiner Hand wurde enger. Ihm war egal wer der Kerl war und ob jemand um ihn trauern würde. Es war seine eigene Schuld dass er diesen Mantel trug.

Der junge Mann war stehen geblieben. Hatte er ihn etwa gehört? Das konnte nicht sein, Tonis Schritte hatten kein Geräusch verursacht. Auch gesehen konnte der junge Mann ihn nicht haben, Toni hielt sich stets im Schatten auf. Dennoch sah sich der Kerl suchend in der kleinen Seitenstraße um, in der sie sich befanden.

“Bandel?”, hauchte er in die Dunkelheit. Ja, das war Tonis Nachname und er war gleichbedeutend mit dem Tod. Die Stimme des jungen Mannes bebte. Er wich einen Schritt zurück und suchte mit den Augen die Umgebung ab. Toni genoss die Angst seines Opfers. Er schraubte ganz langsam den Schalldämpfer an den Lauf seiner Pistole. Niemand würde den tödlichen Schuss hören. Die Waffe richtete er auf den Kopf des Mannes. Mit zitternden Händen hatte dieser seine eigene Pistole gezogen und zielte mit ihr wahllos umher. Er wollte sich doch nicht etwa zur Wehr setzen? Ein müdes Lächeln huschte über Tonis Gesicht. In aller Ruhe zog er an seiner Zigarette, blies den Qualm in einer Wolke hervor. Einen weiteren Schritt wich der junge Mann zurück. Schweiß rann von seiner Stirn. Sein Arm zitterte noch mehr. Worauf er auch immer zielte, so würde er Toni auf keinen Fall treffen.

“Fahr zur Hölle!”, mit seinen Worten verriet Toni seine Position. Aus dem Schatten trat er heraus ins spärliche Licht einer alten Straßenlaterne. Sein Finger legte sich um den Abzug. Noch einen Moment lang kosstete er seine Macht aus, über Leben und Tod entscheiden zu können. Sein Blick durchbohrte den jungen Mann mit eisiger Kälte. Dann fiel ein lautloser Schuss.

Die Kugel schlug in den Kopf des jungen Mannes, genau zwischen seinen Augen. So wie Toni es geplant hatte, so wie er immer tötete. Der Mann sank auf die Knie, sein Körper fiel in sich zusammen. Einen weiteren Zug nahm Toni von seiner Zigarette, sah zu wie der Man zur Seite wegkippte. Seine Arbeit hier war getan. Den Qualm blies er aus seinen Lungen, warf die Zigarette zu Boden und trat sie aus. Sein Blick wanderte in den Himmel. Es hatte angefangen zu regnen.

Ob er ihm wohl von da oben aus zusah? Bei diesem Gedanken musste Toni schwer schlucken. Enrico war sicher nicht im Himmel gelandet. Wenn überhaupt landete ein Mörder in der Hölle, oder nicht? Trotzdem, die Vorstellung sein bester Freund könnte sehen, was er hier tat, was er für ihn tat, gefiel ihm.

Die Tropfen fielen auf Tonis heiße Wangen. Er schloss die Augen, genoss die kühlende Nässe. In Gedanken war er nicht mehr hier, er war bei ihm. Warum nur war er ein so guter Schütze? Warum war er dieses Mal nicht langsamer gewesen, oder hatte sich durch ein Geräusch verraten? Dieses Leben war er so leid. Ohne Enricos Lachen war alles leer und sinnlos.

In Tonis Gedanken formte sich eine Gestalt. Ein Junger Mann lag am Boden. Er wurde getreten, geschlagen, bis er sich nicht mehr rührte. Toni hatte es mit ansehen müssen, hatte nichts dagegen tun können. Die Männer in den schwarzen Ledermänteln hatten ihn an der Heizung festgebunden. Die Schmerzensschreie seines Freundes halten in Tonis Ohren wieder. Er roch das Blut Enricos, genau wie damals, vor fünf Jahren. Toni schüttelte mit dem Kopf, riss die Augen auf. Er wollte es nicht sehen, wollte sich nicht erinnern. Hass legte sich über seine wunde Seele, bedeckte sie wie ein schützender Mantel.

Eine Träne rollte über seine Wange. Toni wischte sie weg. Er hatte genug davon vergossen.
“Ich werde sie dir hinterher schicken! Jeden von ihnen!”, rief er in den bewölkten Himmel. Mordlust durchflutete Tonis Körper. Der Kerl von eben würde heute Abend nicht sein letztes Opfer gewesen sein.


Weit entfernt …

Die Stadt unter Enrico bot einen überwältigenden Anblick. In den gläsernen Fassaden der Hochhäuser spiegelte sich die untergehende Sonne. Der Wind blies ihm wild durch die Haare, zerrte an seiner Kleidung. Hier oben schien ihm alles so weit weg. Die Geräusche der Großstadt drangen nur noch gedämpft bis zu ihm hinauf. Gelegentlich brach sich das Sirenengeheul eines Streifenwagens an den Hochhauswänden, ansonsten war es still.

Nur hier, dem Abgrund so nah, verspürte er so etwas wie Frieden. Ein Schritt hätte genügt und er wäre alle Sorgen für immer los. Die Sonne verschwand am Horizonte, es wurde dunkler. Enrico sah hinauf in den Himmel. Ob Toni ihm wohl von da oben aus zusah? Ein flüchtiges Lächeln huschte über seine Lippen. Sicher nicht. Nach einem skrupellosen Killer wie ihm, musste man sicher viel weiter unten suchen.

Enrico hatte schon so oft versucht ihm dahin zu folgen. Er hatte aufgehört zu zählen. Seine Freunde hatten es immer wieder vereitelt, aber dieses Mal wussten sie nicht wo er war. Sie hatten keine Ahnung, dass er sich davon geschlichen hatte, dass er jetzt hier am Rande des Hochhausdaches stand.

“Toni”, flüsterte er in den stürmischen Wind und schloss die Augen. Das Lächeln seines Freundes erschien in seinen Gedanken, als wenn er ihn zu sich rufen wollte. Er hatte das Leben ohne ihn jetzt lange genug ertragen. Die Arme breitete Enrico aus, lehnte sich gegen den Wind der zu ihm hinauf wehte, der ihn trug. Wenn er die Richtung wechselte war alles vorbei, dann war er endlich frei …

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Nur wer die Hölle kennt, weiß den Himmel zu schätzen.
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