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 51. Kapitel ~Rettungsaktion~

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Enrico
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BeitragThema: 51. Kapitel ~Rettungsaktion~   Do März 01, 2018 8:00 am

51. Kapitel
~Rettungsaktion~

Völlig außer Atem, halte ich vor dem großen Tor an. Den ganzen Weg bis hier her, bin ich ohne Pause gelaufen. Der Schweiß läuft mir aus jeder Pore und trübt meine Sicht. Ich kann mich nicht länger auf meinen schmerzenden Beinen halten und lasse mich auf die Knie fallen. Rau kratz mir der Atem durch meine Kehle, immer wieder muss ich heftig husten. Freudiges Hundegebell ist aus dem Grundstück zu hören. Das Traben vieler Pfoten kommt immer näher. Laut bellend werfen sich die Dobermänner gegen das Tor und strecken die Schnauzen nach mir aus. Ich atme noch ein Mal tief durch, dann zwinge ich mich wieder auf die Beine. Der Abstand zwischen den Gitterstäben des Tores, ist groß genug, also zwänge ich mich einfach hindurch. Scotch springt mir sofort entgegen und wirft mich mit seiner ganzen Masse um, er durchsucht all meine Taschen nach Futter, während Brandy große Kreise um mich herum läuft.
„Nicht jetzt Scotch!“ Ich schiebe den Hund von mir und weiße ihn mit ausgestrecktem Arm an: „Ab!“ Er betrachtet mich fragend und entfernt sich nur eine Schrittlänge von mir. Doch es reicht, dass ich aufstehen kann. Zügig laufe ich den Kieselsteinweg hinauf. Die Hunde folgen mir und bellen freudig, doch heute beachte ich sie nicht. Die wenigen Stufen vor dem Anwesen, nehme ich im Ganzen und läute die Glocke. Ungeduldig lausche ich den Schritten von Jester, die sich bedrückend langsam der Tür nähern. Als er sie endlich öffnet, sieht er mich erschrocken an. Sein Blick geht von mir zu den Hunden, die mich immer noch umkreisen und mit lautem Bellen, meine Aufmerksamkeit erhaschen wollen. Sie reiben ihre Köpfe an meinen Händen und Armen und suchen nach Streicheleinheiten.
Ich zwinge mich zu einem tiefen Atemzug, dann will ich wissen: „Ist Aaron da? Ist er in seinem Büro?“
Jesters Gesichtszüge versteinert, er wirkt noch förmlicher als sonst. „Du hast keine Erlaubnis hier zu sein. Verlasse das Grundstück unverzüglich.“ Er will die Tür wieder schließen, doch ich stelle meinen Fuß dazwischen.
„Ist mir egal. Es ist wichtig!“ Ärgerlich sieht Jester mich an und öffnet die Tür einen Spalt, breit genug, dass ich hindurch schlüpfen kann. Ich dränge mich unter dem Arm des Butler ins Haus und laufe den Flur entlang.
„Junger Herr! Stopp!“, ruft Jester mir nach, doch ich halte nicht an. Ohne Umwege laufe ich bis zur Treppe und über sie in den ersten Stock. Schon von weitem, sehe ich die Tür im Büro offen stehen, leise Musik schwebt im Raum. Ich bin mir sicher, dass Aaron dort sein muss. Jesters Schritte sind mir dicht auf den Fersen, ich kann ihn schon auf der Treppe hören. Ich lasse mir keine Zeit um anzuklopfen, sondern Platz ungeniert in den Raum hinein.
Aaron sitzt hinter seinem Tisch und schreibt an einem Brief. Er unterbricht sein tun und richtet seine haselnussbraunen Augen auf mich. Fragend starrt er mich an, als ich außer Atem vor seinem Schreibtisch anhalte.
Jester betritt nur wenige Sekunden später den Raum. „Master es tut mir leid, er ist einfach an mir vorbei gestürmt“, entschuldigt er sich atemlos. Nur mit Mühe kann er seine steife Haltung bewahren.
„Sind denn die Wachhunde nicht draußen?“, will der Hausherr genervt wissen.
„Nun Master, Scotch und Brandy, also ...“, beginnt der Butler, doch ich falle ihm ins Wort.
„Das sind keine Wachhunde sonder Kuscheltiere. Aber deswegen bin ich nicht hier. Ich brauche deine Hilfe Aaron! Bitte!“
Der Blick des Paten wird todernst, finster betrachtet er mich. „Was nimmst du dir heraus, mich beim Vornamen zu nennen?“, keift er und richtet sich zu voller Größe auf. Als sich sein Schatten über mich legt, muss ich schwer schlucken. Ich habe die ganzen Höflichkeitsfloskeln ganz vergessen und beim Gedanken an Toni und das, was er wahrscheinlich gerade erleiden muss, ist es mir auch völlig gleich.
„Und wie siehst du überhaupt aus. Wo ist dein Anzug? Und stinken tust du auch zum Himmel!“, flucht Aaron weiter.
„Ist mir doch scheiß egal. Für diese ganze verdammte Etikette habe ich jetzt keine Zeit. Die Drachen haben Toni!“
„Ich kenne keinen Toni!“, mault der große Mann.
Ich zwinge mich zur Ruhe und sage: „Antonio Bandel, der schwarze Wolf, mein Leibwächter, keine Ahnung wie du ihn nennst.“
„Du hast schon wieder die Unverfrorenheit mich zu duzten?“
„Ist das alles was dich interessiert? Hörst du mir denn gar nicht zu? Diese Schweine haben meinen besten Freund!“, schreie ich ihn an, während ich die Tränen nicht länger unterdrücken kann. Ich nehme Tonis Kreuz in die Hand und reiche es in Aarons Richtung. „Sie haben mir sein Kreuz geschickt. Es ist voller Blut. Du musst mir helfen ihn zu retten, bitte!“
Aaron betrachtet mich stumm, während Jester hinter mich tritt. Der Butler nimmt meinen Arm und versucht mich mit sich zu ziehen. „Nein!“, schnauze ich ihn an und reiße mich los. Aarons Blick bleibt kalt, er sagt noch immer nichts, verschränkt nur die Arme vor der Brust. Mit der Sorge um meinen Freund, erreiche ich ihn offensichtlich nicht, also versuche ich es anders. Mit festem Blick lasse ich ihn wissen: „Diese Typen tun auf deinem Grund und Boden einfach was sie wollen. Sie sind auch jetzt noch an den Docks in Red Hook und foltern einen deiner Männer. Das hier ist doch dein Gebiet, da kannst du doch nicht einfach wegschauen.“ Noch immer rührt sich Aaron nicht, nur seine Gesichtszüge verhärte sich weiter.
„Du hattest mit Antonio einen Vereinbarung getroffen“, versuche ich es weiter, „Seine Treffsicherheit, gegen deinen Schutz. Gilt dein Wort denn gar nichts?“ Aarons Blick geht von mir zu Jester. Sie tauschen sich stumm aus. Wieder spüre ich die knochige Hand des Butlers um meinen Arm. „Komm jetzt Junge!“, sagt er beschwichtigend.
„Nein!“ Wieder reiße ich mich aus seinem Griff und sehe Aaron flehend an. Vor ihm werfe ich mich auf die Knie und senke den Blick tief. „Aaron ich flehe dich an, hilf mir! Ich werde alles dafür tun. Verlange was du willst. Mein Leben gehört dir, nur hilf mir, ihn zu retten! Allein habe ich keine Chance. Ich brauche dich jetzt! Bitte!“ Immer mehr Tränen überkommen mich. Ich kann den alten Herrn und das Büro längst nicht mehr sehen. Heiß fallen sie mir auf die geballten Fäuste.
Aaron atmet hörbar durch. Seine Schritte durchqueren den Raum. Das Leder seines Sessel knarrt unter seinem Gewischt. Er nimmt den Hörer seines Telefons ab und dreht die Wählscheibe. Irritiert sehe ich ihm dabei zu und auch Jester betrachtet seinen Herrn fragend. „Sir …?“, beginnt er, doch Aaron hebt die Hand und gebietet ihm still zu sein.
„Wie schnell kannst du die Gang zusammentrommeln?“, spricht er in den Hörer.
„Es ist mitten am Tag, dass kann eine Weile dauern. Wieso, was ist den passiert?“ Die Stimme kenne ich, das ist Robin. Erleichtert wische ich mir die Tränen aus den Augen und zwinge mich wieder auf die Beine.
„Die Drachen haben Antonio und sie sind immer noch auf meinem Gebiet!“
„Ach du Scheiße! Dann ist Enrico bei dir, nehme ich an?“
Aaron schmunzelt und betrachtet mich amüsiert: „Ja, der probt hier gerade einen Aufstand.“
„Kann ich mir vorstellen. Ich schau was ich machen kann. Wo müssen wir hin?“
„Red Hook – Hafen!“ Aaron betrachtet mich auffordernd.
„Halle 4!“, sage ich schnell.
„Halle 4“, wiederholt er für Robin, „Wir treffen uns dort!“
„Bitte? Du willst auch mitkommen?“, klingt Robin überrascht.
„Ja , ich habe mein Wort gegeben“, beginnt Aaron und sieht mich dabei unentwegt an, „Außerdem hatte der Junge schlagende Argumente, warum es endlich mal nötig wird, dass ich mich diesem Drachen-Problem persönlich annehmen sollte.“
„Na gut, aber nimm Jester mit und wartet auf uns.“
Aaron lehnt sich in seinem Sessel zurück und wirkt erheitert: „Was denn, machst du dir etwa Sorgen um deinen alten Herrn?“
„Das mach ich mir immer und jetzt geh aus der Leitung, ich hab Anrufe zu tätigen!“

Wenig später sitzen wir in Aarons Limousine und warten, nahe des Docks, auf Robin und ihre Männer. Ungeduldig rutsche ich auf dem Sitz hin und her und kann die Anspannung kaum noch ertragen.
„Master, seid ihr euch sicher, dass ihr persönlich dort in Erscheinung treten wollt?“, will Jester wissen und lädt Munition in eine Pistole. Auch in Aarons Hand befindet sich eine Waffe, die er mit Munition befüllt. Ich ziehe die Pistole von Toni aus meinem Hosenbund und reiche Aaron meine Hand. Kommentarlos reicht er mir die Schachtel mit den Patronen.
„Ich weiß, es ist lange her, alter Freund“, lächelt Aaron seinen Butler an. Ich schaue zwischen ihnen hin und her. So vertraut, habe ich sie bisher noch nie miteinander sprechen gehört.
„Sollten wir das nicht lieber Robin und ihren Männern überlassen?“
Aaron will gerade etwas erwidern, als ein langgezogener Schrei die Stille durchbricht. Mir gefriert das Blut in den Adern. Ich fahre erschrocken zusammen und schaue in die Richtung, aus der er kam.
Halle 4, da bin ich mir ganz sicher und Tonis Stimme erkenne ich auch unter tausenden wieder. Ich drücke mich aus dem Sitz und öffne die Wagentür. Aaron packt meine Hand am Gelenk und zieht mich zurück.
„Es bringt nichts jetzt kopflos loszustürmen!“, sagt er ruhig. Wieder dringt einer dieser fürchterlichen Schreie bis zu uns. In mir zieht sich alles zusammen. „Aber, ich halte es nicht aus hier zu sitzen und mir das anzuhören. Ich geh einfach schon vor und kundschaften das Gelände aus“, schlage ich vor, doch Aaron gibt mich nicht frei.
„Dein Mut in allen Ehren, aber das ist Selbstmord.“ Mit einem Ruck zieht er mich auf den Sitz zurück und beugt sich vor, um die Tür wieder zu schließen. Unruhig bleibe ich sitzen und betrachte die Waffe in meinen Händen. Den Griff umschließe ich immer fester. Mit jedem neuen Schmerzensschrei, zucke ich zusammen. Mir ist, als wenn ich sein Leid körperlich spüren kann. Verstohlen sehe ich aus dem Wagen zur Lagerhalle. Jetzt bin ich schon so nah bei ihm und werde zum Nichtstun verdammt.
„Reizt es dich denn gar nicht, mal wieder selbst mitzumischen?“, unterhält sich Aaron einfach weiter.
„Nicht wirklich. Ich werde langsam zu alt für das hier.“ Jester lädt noch eine zweite Pistole.
Ich sehe ihm dabei zu und kann nicht länger an mich halten. Während ich meine Hände zu Fäusten balle, will ich kleinlaut von ihnen wissen: „Wie könnt ihr nur so ruhig hier sitzen? Ist das Leben meines Freundes, denn immer noch nur ein Spiel für euch?“
Sie hören mir gar nicht zu, geben mir auch keine Antwort. Ich bekomme das Gefühl, dass sie mir hier keine wirkliche Hilfe sind und von Robin und ihren Leuten, ist noch immer nichts zu sehen. Wenn das so weiter geht, kommen wir noch zu spät. Tonis Schreie werden jetzt schon immer kraftloser. Ich sehe nicht ein noch länger zu warten und strecke meine Hand nach der Tür aus. Aaron und Jester beobachte ich aufmerksam, während ich die Wagentür so geräuschlos wie möglich öffne. Sie sind so vertieft in ihre Diskussion, dass sie mein Handeln ignorieren. Ich nutze die Chance, steige aus und renne los.
„Junger Herr!“, ruft Jester mir vergeblich hinterher.
„Nun, dann sind wir wohl jetzt gezwungen einzugreifen“, freut sich Aaron und steigt ebenfalls aus.

Ob mir die alten Herrn folgen oder nicht, interessiert mich schon nicht mehr. Ich schaffe das auch allein, versuche ich mir einzureden und lasse mich von der unbändigen Wut in mir leiten. Ich schleiche um die Halle herum und suche einen Weg hinein. Tatsächlich kann ich ein Loch im Mauerwerk finden, dass mir groß genug erscheint, um hindurch zu passen. Ich finde mich in einer dunklen Nische der Halle wieder, direkt unter einer Treppe. Scheu sehe ich mich um. Die Treppe führt hinauf zu Metallüberführungen, die sich durch die ganze Halle ziehen. Etliche Männer stehen dort oben und behalten den weit geöffneten Eingang im Auge. 'Nun, von dort komme ich schon mal nicht, ihr Idioten' – denke ich mir und grinse breit, bis mein Blick auf eine Gruppe Männer fällt, die im Kreis stehen. Sie alle haben Schlitzaugen und schauen gehässig. In ihrer Mitte ist noch jemand, der von ihren Körpern verdeckt wird. Ich kann nur zwei gefesselte Hände erkennen, die weit über ihren Köpfen an einem Hacken hängen. Die Finger sind Blutig, in den Armen klaffen Schnittwunden. Ein lauter Schmerzensschrei erfüllt die Halle und lässt mich erschaudern. Ich schleiche ein Stück weiter, und kann um einen der Männer herum Toni erkennen. Sein Brustkorb hebt und senkt sich schnell. Er trägt nur noch seine Hose, sein Oberkörper ist frei und voller Blut. Aus einer tiefen Wunde in seiner Schulter strömt ein ganzer Fluss. Sein Brustkorb ist zerschnitten und seine Haut voller Blutergüsse. Sein Anblick treibt mir die Tränen in die Augen. Mein Herz setzt einen Schlag lang aus. Unter Tonis Füßen ist bereits eine große rote Pfütze und immer mehr Tropfen fallen hinein. Ein großer Mann, mit einem Messer in der Hand, umrundet ihn.
„Sei doch nicht so stur. Wenn du mir sagst, wo sich dein Kumpel aufhält, gönne ich dir auch eine Pause.“ Der Kerl grinst breit und siegessicher. Toni hebt den Kopf, durch seine Augenbraue zieht sich ein tiefer Schnitt. Er muss immer wieder blinzeln, während ihm das Blut ins Auge läuft. Schwer atmend erwidert er: „Vergiss es!“
„Schade!“, entgegnet der Mann und zieht die Klinge in einem tiefen Schnitt über Tonis Bauch. Mein Freund wirft den Kopf zurück und schreit laut auf. Sein ganzer Körper zittert heftig.
Unbändiger Hass verdrängt all meine Tränen. Ich denke nicht mehr nach. Meine Deckung verlasse ich. Den Lauf der Pistole, richte ich auf den Erstbesten und drücke ab. Er wird in die Schulter getroffen und kreischt laut und kehlig. Zitternd fasst er die Wunde. Alle Blicke richten sich auf mich. Entsetzen und Wut spiegelt sich in ihren Gesichtern. Ich ziele weiter nach links und drücke wieder ab. Dieses Mal erwische ich den Mann mittig in die Brust. Er rutsch neben seinen Freunden zusammen. Hastig greifen die Männer in ihre Hosen und Taschen. Zwei von ihnen stellen sich vor den Mann, der Toni am nächsten ist und drängen ihn in ihren Schatten. Unzählige Waffen werden auf mich gerichtet, doch mir ist es ganz gleich. Ich bin bereit heute zu sterben. Mit Blick auf Toni, schreie ich sie an und drücke immer wieder ab: „Ihr verdammten Schweine, dafür werdet ihr mir mit eurem Leben bezahlen!“ Gleich etliche Schüsse knallen an mir vorbei, einer streift heiß meinen Arm mit der Waffe, zwei der Männer neben Toni, sacken in sich zusammen. Erschrocken betrachte ich die getroffenen Kerle. Ich habe sie nicht erschossen. Rechts und links neben mir tauchen Aaron und Jester auf. Sie haben ihre Waffen erhoben und zielen auf die übrigen Männer. Ein ehrfürchtiges Raunen geht durch die Halle. Ich glaube überall Aarons Namen geflüstert zu hören. Die Waffen des Feindes verstummen.
„Ihr habt da was, dass mir gehört!“, ruft Aaron so laut, dass es von allen Wänden der Halle zurück schallt. Das Geheul von Motorrädern ist zu hören, gleich ein dutzend Maschinen, kommen vor der Halle zum Stehen. Augenblicklich ziehen auch Robin und ihre Männer ihre Waffen.
„Verdammt!“, flucht der größte der Männer und schiebt sich aus dem Schatten der zwei Kerle, die ihn schützen wollen. Er richtet sich direkt an den Paten der Locos, als er sagt: „Aaron, ist das dein ernst? Willst du wirklich einen Krieg beginnen, wegen zwei Kindern?“
„Einen Krieg, wollen wir doch beide nicht“, entgegnet Aaron mit arrogant erhobenem Kopf, „Aber die Beiden gehören nun mal zu mir und du befindest dich hier auf meinem Territorium. Spiel deine Spielchen auf deinem Grund und Boden, Michael. Hier hast du jedenfalls nichts verloren!“
Michael brummt in sich hinein, er nimmt seine Waffe runter, als er sagt: „Das wird dir noch leid tun!“
Aaron hebt die Waffe und richtet sie nun auf Michael. Er drückt ab. Eine Kugel schlägt direkt vor den Füßen des Mannes ein. Sofort schieben sich seine Leibwächter wieder vor ihm und raten ihrem Chef, sich zurück zuziehen. Nur widerwillig tritt er, mit den Überlebenden, den Rückzug an. Ich schaue ihnen finster nach und will meine Waffe auf sie richten, doch Aaron drückt meinen Arm nach unten.
Fassungslos sehe ich ihn an. Wir lassen diese Kerle wirklich entkommen?
„Nicht hier, nicht jetzt!“, sagt er streng und richtet seinen Blick nach vorn. Aarons Stimme bekommt einen sanften Tonfall, als er sagt: „Kümmere dich lieber um ihn!“ Ich folge seinem Blick auf Toni. Der Kopf meines Freundes liegt ihm auf der Brust, er rührt sich nicht mehr, hat die Augen geschlossen. Nur sein Blut fließt ihm in Strömen vom Körper und sammelt sich weiter zu seinen Füßen. Ich drücke Aaron meine Pistole in die Hand und laufe los. Kaum habe ich Toni erreicht, nehme ich seine Gesicht in meine Hände und hebe seinen Blick. Seine rechte Wange ist geschwollen und sein linkes Augenlid mit Blut verklebt. „Du Idiot! Was machst du denn hier?“, keucht er.
Ich lehne meine Stirn an seine und zwinge mich zu einem Lächeln. “Dich retten natürlich!“
„Enrico!“, ruft Robin mir zu. Ich drehe mich nach ihr um. Sie kniet neben einer Kette die an einem der Stützpfeiler festgebunden ist. Ich folge ihrem Verlauf hinauf zu einer Winde und wieder hinab zu einem Hacken, in dem Tonis Fesseln befestigt sind. Ich nicke Robin zu und lege meine Arme um Toni, um ihn zu halten. Robin löst die Kette. Toni stöhnt gequält und sackt mir kraftlos in die Arme.
Er hustet und erbricht Blut. Es fließt mir über die Hände und Arme und ist einfach überall. Wie erstarrt betrachte ich es und kann nur tatenlos zusehen, wie aller Widerstand aus Tonis Körper weicht. Verzweifelt packe ich ihn an de Schultern. „Toni!“, schreie ich ihn an, doch er reagiert nicht mehr. „Bitte nicht sterben! Du musst durchhalten!“, flehe ich ihn an. Robin eilt zu uns, sie nimmt mir Toni aus den zitternden Händen und legt ihn flach auf den Rücken.
„Zieh dein Shirt aus!“, verlangt sie von mir, doch ich kann nur gebannt auf das viele Blut starren, dass mir an den Fingern klebt.
„Enrico!“, schreit sie wieder. Erst jetzt kann ich reagieren und ziehe mir das Shirt aus. Robin reist es mir aus der Hand und presst es auf die tiefen Schnittwunden in Tonis Brustkorb. Arm arm zerrt sie mich näher zu ihm und weißt mich streng an. „Schön fest draufdrücken.“ Sie führt meine Hände über den Stoff und gibt den Druck vor, den ich ausüben soll. Wie automatisiert, tue ich was sie sagt.
Robins dreht sich zu ihrem Vater. „Nimm du ihn mit Jester in der Limousine mit und fahrt in die Villa. Ich hole Susen.“
Aaron will widersprechen, doch Robin fällt ihm gleich ins Wort: „Er kann nicht in ein Krankenhaus, dort würden sie ihn sofort finden. Meine Schwester macht das schon und euren Streit werdet ihr wenigstens heute mal vergessen. Das hier ist wichtiger!“
Aaron rollt mit den Augen und sagt nichts, stattdessen bückt er sich nach Toni und hebt ihn in seine Arme. Ich stehe mit ihm auf und drücke weiter auf das blutgetränkte Shirt. Er nickt Robin zu. Die junge Frau eilt ihrem Motorrad entgegen und wendet sich im Vorbeigehen an David: „Sorgt mit den Jungs dafür, dass die Leichen verschwinden und macht hier klar Schiff!“, weißt sie ihn an. David nickt und verteilt seinerseits Anweisungen an die umstehenden Männer. Robin schwingt sich unterdessen auf ihre Maschine. Mit lautem Motorengeheul rauscht sie davon.

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Nur wer die Hölle kennt, weiß den Himmel zu schätzen.
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