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 43. Kapitel ~Der Pate der Locos~

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Enrico
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BeitragThema: 43. Kapitel ~Der Pate der Locos~   Mi Feb 14, 2018 11:32 am

43. Kapitel
~Der Pate der Locos~

Die Gegend, in die Robin fährt, wird zunehmend nobler. Immer edlere Villen wechseln sich ab. Die Größte steht am Ende der Straße. Ein schwungvoll, verzierter Gartenzaun begrenzt das riesige Gelände. Etliche Tannen stehen rechts und links des monströsen Eingangstores und versperren den Blick, auf große Teile des Grundstückes. Ein weißer Kieselsteinweg führt die Einfahrt hinauf. Schon von Weitem ist lautes Hundegebell zu hören. Als Robin das Motorrad vor dem Tor stoppt, springen zwei Dobermänner, mit gefletschten Zähnen und kehligem Knurren, gegen die Gitterstäbe. Das sind ganz klare Killermaschinen, genau so scharf, wie meine Beiden. Ich steige vom Motorrad und halte gebührenden Abstand zum Tor.
„Warte hier!“, weißt Robin mich an. Ohne Scheu hält sie auf das Tor zu. Sie kramt einen Schlüssel aus ihrer Jackentasche und öffnet es. Die Hunde beruhigen sich, respektvoll weichen sie zurück. Ihre Schwänze beginnen zu pendeln, aufmerksam warten sie auf neue Anweisungen. Robin brauch nur den Arm ausstrecken, schon laufen sie über den Rasen davon. Langsam folgt sie ihnen bis zu einem Zwinger. Sie schickt die beiden Hunde hinein und verschließt ihn, dann kommt sie zu mir zurück.
„So jetzt kannst du rein kommen.“ Robin hält mir das Tor auf.
„Die gehorchen dir aber gut“, versuche ich ein Gespräch zu beginnen. Bei dem Anblick des gigantischen Geländes und der großen Villa, ist mir nicht wohl. Nur zögernd trete ich ein.
„Das müssen sie auch“, antwortet Robin schmunzelnd, „Immerhin wohne ich hier. Wäre schön blöd, wenn die Wachhunde mich nicht reinlassen würden.“
Mir bleibt der Mund offen stehen. Das Robin aus gutem Hause kommt, haben ihre teuren Klamotten ja schon verraten, aber das sie so reich ist, habe ich mir nicht vorstellen können.
„Ehrlich? In diesem großen Haus wohnst du? Wie groß ist denn deine Familie, das ihr so viele Zimmer braucht?“
„Ach eigentlich wohnen nur Vater und ich noch hier. Meine beiden Schwestern haben schon lange das Weite gesucht.“ Robin läuft den Kieselsteinweg hinauf.
Ich folge ihr und ertrage die Anspannung nur, indem ich einfach weiter frage: „Nur zu zweit?“, bis mir ein ganz anderer Gedanke in den Sinn kommt, „Moment... Du wohnst allein mit deinem Vater hier und wir wollen zu deinem Chef. Ist dein Vater dein Chef?“
Robin dreht sich nach mir um. Ein breites Grinsen liegt ihr auf den Lippen, als sie sagt: „Richtig geraten. Im Gegensatz zu euch, sind wir nämlich wirklich ein Familienunternehmen.“
Mir kommt der Kuss mit ihr in den Sinn und der Gedanke, sie könnte ihrem Vater davon erzählt haben. Ich muss schwer schlucken.
Robin grinst noch breiter. „Bekommst du's jetzt mit der Angst zu tun?“
„Hast du ihm davon erzählt, dass ich … also .. das ich dich ...“
Wir erreichen die Haustür des Anwesens, Robin hält an und sieht belustigt auf mich zurück. „Vielleicht! Das wirst du gleich herausfinden“, lacht sie.
Ich muss wieder schlucken und sehe die geschlossene Tür ängstlich an. Die Tochter eines so reichen Mannes einfach so zu küssen, ohne das Einverständnis des Vaters, nicht mal mit dem Einverständnis von ihr selbst und ich bin nicht mal ein Edelmann, nur ein Straßenkind. Dieser Mann wird mich vierteilen. Ich wage keinen Schritt weiter zu gehen. Robin amüsiert sich köstlich. Ihr breitet Grinsen wird zu einem lauten Lachen. Schließlich streckt sie die Hand nach mir aus und wuschelt mir durch die zerzausten Haare.
„Du bist schon süß, weißt du dass? Ich will dich dem Paten der Locos vorstellen und du hast nur Angst davor, was er als mein Vater zu dir sagen könnte. Du solltest dir lieber Sorgen darüber machen, was er mit dir als Anführer der Wölfe anstellen wird.“
„Na danke! Das macht mir Mut“, murre ich und verschränke die Arme hinter dem Rücken. Einen Kieselstein trete ich von der Veranda und zwinge meinen Atem zur Ruhe.
Robin muss wieder schmunzeln. Ich habe das Gefühl für sie ist das alles nur ein Spiel. Genervt wende ich den Blick ab.
„Na gut. Du wartest erst mal hier draußen. Ich sehe nach, wie Vater drauf ist und ob er Zeit hat, dann hole ich dich. Verstanden?“ Als ich nicht sofort eine Antwort gebe und sie auch nicht ansehe, nimmt sie mein Gesicht am Kinn und zwingt meinen Blick grob zu sich. Ihr Augen schauen ernst, in ihrer Stimme schwingt eine Drohung: „Und weh dir du kommst auf die Idee abzuhauen. Deine Freunde sind noch immer meine Geisel, vergiss das nicht!“
Wütend sehe ich sie an und schlage ihre Hand von mir weg. „Ich werde nicht weglaufen!“, versichere ich ihr.
„Dann ist ja gut!“ Robin schließt die Tür auf und verschwindet im Inneren des Hauses. Als sie die Tür nach sich zuwirft, wird es unangenehm still. Ich sehe an dem Haus hinauf. Zwei Stockwerke hoch erhebt sich das Gebäude. Ein Balkon breitet sich über der ganzen Frontseite aus. Zwei kleine Türme begrenzen beide Seiten, ihr Dächer laufen spitz nach oben zu. Das ganze Grundstück ist akkurat gepflegt, jeder Busch in Form geschnitten, jede Blume symmetrisch angeordnet. Das ist alles so ganz anders, als das, was ich kenne. Das flaue Gefühl in meinem Magen, kann ich nun nicht länger ignorieren. Was mache ich nur, wenn dieser Aaron ein genau so eiskalter Killer ist, wie die Typen, die Toni und mich verfolgen? Ich habe überhaupt nichts, was ich dem Mann anbieten könnte, damit er uns in Frieden lässt. Er hat doch schon alles. Ich fahre mir durch die Haare und setze mich auf die Treppe vor dem Anwesen. Meine Hände falte ich ineinander und betrachte meine eiskalten Finger. Meine Arme zittern bei dem Gedanken, dass diese gefährlichen Typen noch immer in der Fabrik sind und meine Freunde bedrohen und alles was zwischen ihnen und einer Kugel steht bin ich. Meine Hände lege ich an den Mund und kaue nervös auf meinem Daumen herum.

Robin braucht ewig. Immer wieder sehe ich hinter mich, doch die Tür bleibt verschlossen, kein Geräusch ist zu hören. Je länger ich warte muss, um so deutlicher kann ich mein Herz schlagen spüren. Ich muss mich ablenken, irgendwas machen. Meinen Blick lasse ich durch den Garten schweifen, bis er am Zwinger hängen bleibt. Die Hunde liegen auf dem Boden, ihre Ohren sind auf mich gerichtet, aufmerksam beobachten sie mich. Vielleicht sollte ich mich mit ihnen beschäftigen, dann habe ich wenigstens etwas zu tun. Ich taste meine Hosentasche ab. Für Alpha und Omega habe ich darin immer ein paar getrocknete Fleischstreifen. Die Dobermänner mögen die bestimmt auch. Ich stehe auf und halte auf den Zwinger zu. Sofort springen die Hunde auf die Beine, sie knurren drohend. Ich vermeide es ihnen in die Augen zu sehen und straffe meine Haltung. Ihr Knurren geht in drohendes Bellen über, ich störe mich nicht daran und gehe ungerührt an dem Zwinger vorbei. An der Seite bleibe ich stehen und lehne mich neben dem Zwinger an den Gartenzaun. Die Hunde folgen mir dort hin. Noch immer sehe ich sie nicht an, behalte stattdessen die Haustür im Auge. Bisher hat sie sich noch nicht geöffnet. Ich seufze und krame nach dem Fleischstreifen in meiner Hosentasche. Die Hunde bellen nicht mehr, nur ein leises Knurren kommt aus ihrer Richtung. Einen flüchtigen Blick werfe ich auf sie. Die Hündin hat sich wieder hingelegt und beäugt mich aufmerksam, der Rüde steht ganz nah am Gitter und streckt die Schnauze durch die Gitterstäbe. Seine Nase schnüffelt in der Luft. Er hat den Leckerbissen längst gerochen. Ich ignoriere ihn wieder und hole einen der Fleischstreifen aus meiner Hose. In sicherem Abstand spiele ich damit vor seiner Schnauze herum. Immer weiter schiebt er seinen Kopf zwischen den Stäben hindurch. Seine Nase berührt mein Hosenbein, er stupst meine Hand mit Fleisch an. Ich schaue nach ihm. Ein langer Speichelfaden läuft seine Lefzen hinab. Er knurrt nicht mehr, sein Schweif hängt entspannt nach unten, die Ohren sind interessiert auf mich gerichtet. So gefällt er mir schon besser. Für diese Haltung darf er auch etwas haben. Ich schiebe den Fleischstreifen so weit nach vorn, dass er ihn erreichen kann. Misstrauisch schnüffelt er an dem Fleisch, ganz vorsichtig, nur mit den spitzen Eckzähnen, greift er danach. Ich lasse ihn gewähren und lasse das Fleisch los. Hastig zieht er den Kopf aus dem Gitter und verschwindet in einer Ecke des Zwingers. Gierig schlingt er seine Beute hinunter. Seine Partnerin sieht ihm hinterher, rührt sich aber nicht. Selbst als ich einen weiteren Streifen aus der Tasche hole, erhebt sie sich nicht. Nur ihre Nase schnüffelt in meine Richtung. Der Rüde hat das Trockenfleisch inzwischen vertilgt. Er leckt sich über die Schnauze und sieht dann zu mir zurück. Ich wende den Blick wieder ab und sehe zur Tür. Noch immer tut sich dort nichts, dafür kann ich die Nase des Rüden wieder am Hosenbein spüren. Er weiß genau, dass es von den Leckerbissen noch mehr gibt, doch dieses Mal lege ich ihm nur meinen Handrücken an die Nase. Er schnüffelt daran. Als ich mir sicher bin, dass er jetzt weiß wer ich bin, drehe ich meine Hand. Er riecht das Fleisch darin und beginnt wieder zu sabbern. Ich öffne meine Hand und lasse ihn dieses mal den Streifen direkt aus meiner Hand nehmen. Wieder greift er es vorsichtig mit den Zähnen und frisst es direkt, ohne damit zu flüchten.
„Du bist gar nicht so böse, wie du tust“, murmle ich und suche noch einen Fleischstreifen aus meiner Tasche. Ich wage es mich dem Hund zuzuwenden. Seine Haltung bleibt die Selbe, er ist völlig auf das Futter fixiert. Während ich die Hand unter seinem Maul halte und er frisst hebe ich die Andere über seinen Kopf. Er beäugt mich misstrauisch, stellt die Ohren steil auf und brummt. Ich ziehe die Hand zurück und lasse ihn ohne Berührung zu ende fressen. Seine Aufmerksamkeit richtet sich wieder auf das Futter, er verstummt. Als meine Hand leer ist, schnüffelt er sie von allen Seiten an. Ich hole mit der anderen neues Futter aus meiner Tasche und lege sie geschlossen an seine Nase.
„Du bekommst es, wenn ich dich streicheln darf, ja?“ Meine freie Hand führe ich über den Kopf des Hundes. Er ignoriert sie, seine Nase ist mit dem Futter in meiner Faust beschäftigt. Ich wage es meine Fingerkuppen auf seinen Kopf zu legen. Ganz vorsichtig kraule ich ihn. Er droht nicht, sein Schwanz bleibt entspannt. Ich öffne meine Hand und lasse ihn fressen, zeitgleich streichle ich ihn am Kopf. Er bleibt auch weiterhin entspannt, also wage ich es ihn mit der ganzen Hand zu berühren. Langsam kraule ich ihn hinter den Ohren. Er lehnt seinen Kopf gegen meine Berührung, streckt mir die Ohren entgegen.
„Ach da hast du's gern, ja?“, stelle ich fest und kraule ihn hinter den Ohren. Der Rüde ist so entspannt, dass ich es wage, vor ihm in die Hocke zu gehen. Er schnüffelt an meinem Brustkorb und genießt die Streicheleinheit. Mit beiden Händen kraule ich ihn hinter den Ohren.
„Du bist gar kein Wachhund, du bist ein Kuscheltier. Guter Jung! Ja, hier auch?“ Der Rüde legt seinen Kopf auf meine Hand und will nun unter dem Kinn gekrault werden.
Von einem Moment auf den anderen stellen sich seine Ohren steil auf. Seine Haltung verspannt sich, er zieht den Kopf in den Zwinger und weicht vom Gitter zurück. Erschrocken sehe ich hinter mich.
„Wer bist du und was machst du da?“, spricht mich eine raue Stimme an. Ein alter Herr in einem Frack, steht hinter mir. Seine Haare sind ergraut und sein Gesicht voller Falten. Er hat die Arme auf dem Rücken verschränkt und sieht mahnend auf mich herab.
„Was hast du da in der Hand?“, will er ernst wissen und fordert, mit ausgestreckter Hand, was ich bei mir habe.
Ich reiche ihm den angebissenen Fleischstreifen. „Das ist nur Trockenfleisch. Meine Hunde mögen das auch.“
Der Mann beäugt das Fleisch argwöhnisch. „Ist da Gift drin? Willst du die Hunde umbringen?“
Abwehrend schüttle ich mit dem Kopf und richte mich wieder auf: „Was? Nein!“
„Was machst du dann hier?“
„Ich bin mit Robin hergekommen. Sie hat gesagt, ich soll hier warten.“
Der alte Mann mustert mich misstrauisch, sein Blick durchbohrt mich forschend, ich bemühe mich nicht wegzusehen, doch ständig stupst mich der Rüde mit der Nase an. Schließlich kann ich nicht anders, als mich wieder ihm zuzuwenden.
„Ich hab nichts mehr“, versichere ich ihm und krämple meine Hosentasche um. Er schnüffelt daran und leckt die letzten Krümmel ab, dann reibt er seine Schnauze an meiner Hand. Er gibt keine Ruhe, bis ich ihn wieder hinter den Ohren kraule.
„Der wird nicht besonders oft gestreichelt, oder?“, will ich von dem Mann wissen.
Der alte Herr schüttelt ungläubig den Kopf. „Erstaunlich“, murmelt er in sich hinein.
„Wie heißen die Beiden?“
„Der Rüde Scotch, die Fähe Brandy“, erklärt er monoton.
„Enrico! Enrico! … Verdammt, ist er etwa doch abgehauen?“, schreckt mich Robins Stimme auf. Ich schaue zur Villa zurück. Sie steht auf dem Kiesweg und sieht sich suchend nach mir um.
„Robin! Warte, ich komme!“, rufe ich ihr zu und wende mich noch einmal den Hunden zu. Den Rüden streichle ich besonders intensiv über den Kopf. „Mach's gut Scotch und für dich Brandy finde ich das nächste Mal bestimmt auch was, was dir schmeckt! Geben sie Scotch noch das restliche Stück?“ Der Mann betrachtet mich ratlos und nickt schließlich. Ich lächle und nicke ebenfalls, dann laufe zu Robin.

„Was hast du denn da gemacht?“, will sie wissen, als ich sie erreiche.
„Du hast so lange gebraucht, da habe mich mit den Hunden beschäftigt.“
„Mit den Hunden? Bist du irre? Das sind scharfe Wachhunde. Von denen musst du dich fernhalten.“
„Ach, so schlimm sind sie gar nicht. Scotch ist nur ein bisschen verfressen.“
„Verfressen, du hast sie gefüttert?“
„Ja?“
Robin schüttelt mit dem Kopf. „Du bringst mich noch ins Grab“, murrt sie.
Ich hebe nur die Schulter und deute in Richtung des Zwingers. „Wer ist der alte Herr im Anzug? Ist dass dein Vater?“
Robin schaut nach dem Mann. Mit langsamen Schritten und den Armen hinter dem Rücken verschränkt, hält er auf uns zu.
„Nein, das ist Jester - unser Butler.“
„Ach deswegen der Frack.“ Der Butler bleibt hinter uns stehen, ich drehe mich nach ihm um und sage lächelnd, „Der steht ihnen gut!“ Der alte Mann zieht fragend eine Augenbraue in die Höhe, sagt aber nichts. Robin rollt dafür mit den Augen und zieht mich am Shirt. „Los komm jetzt! Vater wartet.“

Robin geht voraus, wir laufen einen langen Flur entlang. An den Wänden brennen überall Öllampen und sorgen für ein angenehm, warmes Licht. Überall hängen Gemälde. Mit Gold verzierte Kommoden säumen unseren Weg, etliche Vasen mit großen Blumengebinden stehen darauf. Unter unseren Füßen liegt ein samtener Teppich und dämpft unsere Schritte.
„Soll ich meine Schuhe nicht besser ausziehen?“, will ich wissen.
„Nicht nötig!“ Robin zieht mich immer weiter. Wir kommen in eine kleine Halle von der eine große Treppe, in den ersten Stock führt. Sie teilt sich in der Mitte in zwei auf. Auf ihren Stufen ist ebenfalls ein samtener Teppich geschlagen. Auf halber Höhe hängen an den Wänden Pistolen und Gewehre, eine ganze Waffensammlung. Ich staune und möchte am liebsten stehen bleiben, um all die Dinge genauer ansehen zu können, doch Robin schleift mich unbarmherzig die Treppe hinauf, bis wir vor einer schweren Eichentür stehen bleiben. Erst jetzt dreht sie sich nach mir um. Sie mustert mich von oben bis unten und versucht dann das Chaos in meinen Haaren zu richten. Aus meinen Klamotten klopft sie den Dreck, schließlich gibt sie seufzend auf. „Ach was soll's. Wenn wir dich behalten, muss ich dich sowieso generalüberholen“, murmelt sie.
„Mich behalten?“ Ich verstehe kein Wort und Robin macht auch keine Anstalten, mir zu Antworten.
Streng weißt sie mich an: „Du sprichst nur, wenn du dazu aufgefordert wirst, ansonsten hältst du einfach die Klappe und versuchst einen guten ersten Eindruck zu machen.“ Ich nicke verstehend.
Sie öffnet die Tür und tritt ein.
„Vater, hast du jetzt Zeit?“, fragt sie in den Raum hinein und hält die Tür so weit geschlossen, dass ich nicht hinein sehen kann. Etliche Schritte sind im Raum zu hören, sie nähern sich der Tür. Robin weicht zurück, die Tür wird ganz geöffnet. Drei Männer schieben sich an ihr vorbei. Sie sind alle gut einen Köpfe größer als ich. Als sie auf den Flur kommen, weiche ich zur Seite aus.
„Dann bis nächste Woche!“, sagt einer der Männer und sieht in den Raum zurück.
„Ja, und dann will ich endlich Ergebnisse sehen! Es kann doch nicht so schwer sein, diesen Cleaner zu finden. Ich will ihn, bevor er sich einem anderen Clan anschließt“, donnert eine kräftige Stimme aus dem Zimmer in den Flur. Bei dem finsteren Tonfall, jagt mir ein eisiger Schauer den Rücken hinab. Die großen Männer verabschieden sich und kommen an mir vorbei. Der Älteste, mit dem breiten Kreuz, sieht mich abfällig an, er rümpft die Nase und wendet sich schnell wieder ab. Seine Begleiter sind ein dürrer Herr, in einem edlen Anzug, mit einem verschlagenen Blick. Er zupft sein Sakko zurecht und betrachtet mich finster. Für einen Moment, bekomme ich das Gefühl, er würde mich mit seinen Blick ausziehen wollen. Ich sehe eben so finster zurück und schicke ihm eine stumme Drohung hinterher. Der Dritte im Bunde, ist noch sehr jung. Ich würde ihn auf höchstens zwanzig schätzen. Sein Anzug ist weiß und in seinem Cover steckt eine Lilie. Er macht als einziger ein freundliches Gesicht.
„Du bist früh zurück Robin. War an den Gerüchten doch nichts dran?“, ertönt wieder die tiefe Männerstimme. Robin winkt mich zu sich.
„Doch und ich habe dir was mitgebracht.“ Robin schiebt mich durch den Türrahmen. Im selben Moment sehe ich mich einem Herrn mittleren Alters gegenüber. Seine Haare sind am Ansatz ergraut. Über seinen hasselnussbraunen Augen, wachsen buschige Brauen. Sein Gesicht ist in tiefe Sorgenfalten gelegt. Sein grauer Bart umschließt den Mund und die Wangen. Er trägt einen teuren schwarzen Anzug und ein Glas mit braunem Inhalt in der einen und eine Zigarre in der anderen Hand. Verstört sieht er von seiner Tochter auf mich. Ich muss mich zum Weiteratmen zwingen und bemühe mich den Blick nicht zu senken.
„Was bringst du da angeschleppt?“, will Aaron abfällig wissen.
Robin schließt die Tür und lächelt verschwörerisch. „Das wirst du mir nie glauben“, berichtet sie und drängt mich weiter bis zu einem Schreibtisch. Er ist auf Hochglanz poliert und mit vielen Ornamenten verziert. Hinter ihm erheben sich etliche Regale, die über und über mit Akten und Büchern bestückt sind. Robin drückt mich auf einen Holzstuhl vor dem Schreibtisch. Ihr Vater folgt uns und stellt das Glas auf dem Tisch ab. Er umrundet ihn und lässt sich in den Sessel dahinter sinken. Sein bohrender Blick ruht unentwegt auf mir.
„Ich habe dir doch von dem jungen Mann erzählt, der mich vor Pferd gerettet hat und ...“
„Ja, schön und gut, aber hattest du nicht eine andere Aufgabe für heute … Was ist mit dieser neuen Gang, die das Industriegebiet unsicher macht?“
„Darauf komme ich ja noch. Bei meinem Ausflug in die alte Fabrik, habe ich ihn gefunden“, Robin legt mir ihre Hand auf die Schulter.
„Das ist der Anführer dieser Gang.“
„Wir sind gar keine Gang und ich bin kein An ...“, versuche ich dagegen zu halten, doch Robin hält mir den Mund zu.
„Aber es kommt noch besser“, fährt sie ungeniert fort, „Die ganze Stadt sucht nach dem Mörder von Danijel, hier bringe ich ihn dir.“
Aaron betrachtet mich von oben bis unten, schließlich verzieht er das Gesicht genervt. „Ich bin nicht zu Scherzen aufgelegt Robin. Diese Sache ist ernst. Ich will so einen Patenmörder nicht frei in New York rumlaufen haben, wenn er nicht auf unserer Seite ist.“
Robin wird sehr ernst. Sie nimmt ihre Hand von meinem Mund und stützt sich auf die Tischplatte, weit beugt sie sich nach vorn und sagt eindringlich: „Ich scherze nicht. Hast du dich nie gefragt, warum die Drachen ein solches Geheimnis um den Mörder machen. Warum nicht schon längst sein Steckbrief in jeder Polizeiwache hängt, um ihn zu bekommen? Es war kein Bandenkrieg oder ein interner Machtkampf.“
Aaron sieht seine Tochter lange stumm an, schließlich lässt er seinen Blick noch einmal über mich schweifen. „Das kann nicht sein“, murmelt er leise und fährt dann lauter fort, „Das ist nur ein räudiger Straßenköter! Warum schleppst du mir so was ins Haus?“
Ich atme hörbar durch und versuche vergeblich meine Wut hinunter zu schlucken. Aufgebracht sage ich: „Ich habe einen Namen!“
Irritiert sieht Aaron mich an, währen Robins mahnender Blick mir rät, still zu sein, doch das kann ich nicht länger. Immer wieder muss ich an diese Männer denken, die noch immer in der Fabrik sitzen und auf meine Freunde zielen. „Ich heiße Enrico River!“, sage ich bestimmt und stehe auf, „Nicht Straßenköter, weißer Wolf, Mörder von Danijel, oder was immer ihr euch ausdenkt. Und ja ich habe den Kerl erschossen, weil er mich und meinen besten Freund töten wollte. Der Typ ist selber schuld. Aber wegen all dem, bin ich nicht hier. Robin ist mit irgendwelchen zwielichtigen Typen bei uns aufgetaucht. Diese Kerle sind jetzt immer noch bei uns und bedrohen meine Freunde. Ich bin hier, um das zu klären. Wir sind keine Gang, wir wollen auch keinen Bandenkrieg. Wir sind nur einfache Kinder, die kein Dach über den Kopf hatten und Hunger haben. Wir haben geklaut, weil wir sonst nichts zu essen hätten. Und jetzt will ich endlich wissen, was ich tun kann, damit diese Kerle wieder verschwinden. Das ist alles, was ich wisse will. Eure intern Streitereien und diese ganze kriminelle Scheiße interessiert mich einen Dreck. Ich will nur meine Freunde retten.“
Robin grinst schon wieder breit, lächelnd kommentiert sie: „Ist er nicht großartig. Bitte, können wir ihn behalten?“
Gereizt wende ich mich nun ihr zu: „Ich bin doch kein Hund!“
„Nein, aber ein süßes Wölfchen“, lacht sie und wuschelt mir wieder durch die Haar. Am Kopf drückt sie mich zurück auf den Stuhl.
Aaron sieht zwischen mir und ihr hin und her. Schließlich lehnt er sich im Sessel zurück und pafft genüsslich an seiner Zigarre. In diesem Moment öffnet sich die Tür. Der Butler, von eben, kommt herein. Er legt dem Hausherrn einige Unterlagen auf den Tisch. Weder Aaron noch Robin beachten ihn.
„Na schön. Was kann unser Wölfchen denn, außer eine große Klappe haben?“
Robin setzt sich auf den Tisch ihres Vaters und schlägt die Beine übereinander. Sie verschränkt die Arme und schaut gespielt nachdenklich. „An der Frage bin ich noch dran.“
„Er hat Scotch innerhalb von fünf Minuten gezähmt“, mischt sich der Butler ein. Irritiert wird er angesehen.
„Stimmt, du kennst doch die Gerüchte von dem Jungen der die Marktstände mit zwei Hunden überfällt. Ich habe ihn mit den Tieren gesehen. Sie gehorchen ihm wirklich aufs Wort. Die töten sicher auch, wenn er es befiehlt.“
„Na toll“, entgegnet Aaron abfällig, „Ich brauche keinen Domtor.“
„Er und sein Kumpel hab einen Paten auf dem Gewissen und sie leben immer noch“, gibt Robin zu bedenken.
„Mhm, Anfängerglück! Zufall? Das Beweist nur, wie schlecht die Killer der Drachen sind.“
„Ach apropos. Weißt du noch der Killer mit dem Codenamen Polarwolf? Der uns so viel Ärger gemacht hat? Der den Drachen davon gelaufen ist? Das ist sein Kumpel!“
„Das klingt schon interessanter. Und die Beiden töten füreinander?“
„Offensichtlich!“
So langsam platzt mir der Kragen. Dieses ganze dumme Gerede über mich, macht mich rasend. Ich komme mir vor, wie auf dem Sklavenmarkt, als Ware angepriesen. Meine Hände balle ich auf den Knien zu Fäusten. Mit gesenktem Blick fluche ich: „Für euch ist das alles nur ein Spiel, oder?“ Ich sehe auf und schaue sie alle finster an. „Was wollt ihr eigentlich von mir und meinen Freunden?“
Aarons Blick wird ernst, er beugt sich auf dem Tisch vor: „Ich bin kein Freund davon, wenn jemand auf meinen Grund und Boden wildert.“
„Es geht also um unsere Anwesenheit in dieser Fabrik?“
„Es geht darum, dass ihr ohne mein Einverständnis das Industriegebiet unsicher macht. Ich kontrolliere, was in diesem Teil der Stadt geschieht.“
„Also wäre es mit deiner Erlaubnis, okay?“, schlussfolgere ich und sehe Aaron fest in die Augen.
Er sieht lange stur zurück, schließlich lehnt er sich in seinem Sessel zurück. Er nimmt sein Whiskyglas und schwenkt die braune Flüssigkeit darin. Nach einem Schluck, fragt er: „War das eben ein Angebot für mich zu arbeiten?“
„Wenn es meine Freunde und mich rettet.“
Aaron schmunzelt, er pafft an seiner Zigarre und betrachtet mich eingehend, bevor er sagt: „Du hast keinen Ahnung, mit wem du es zu tun hast, oder welche Jobs ich zu vergeben habe, oder?“
„Stimmt, es ist mir auch egal. Ich will nur eine Lösung, mit der wir beide leben können. Also was sollen wir für einen Mann tun, der offensichtlich schon alles hat?“ Ich lasse meinen Blick durch das übertrieben luxuriös eingerichtete Büro schweifen.
Wieder mustert Aaron mich von Kopf bis Fuß und nimmt dabei einen Schluck seines Drinks. Irgendetwas arbeitet in ihm. „Und ihr würdet alles tun?“
Bei seinem forschenden Blick, läuft es mir kalt den Rücken hinunter. Ich bin mir sicher, das 'alles' auch wirklich alle Verbrechen betrifft. Sein Blick lässt mir keine Wahl, entweder das oder wir erleben den nächsten Morgen nicht mehr.
„Unter einer Bedingung!“
Ein spöttisches Lächeln erhellt Aarons Gesichtszüge. „Du hast wirklich die Nerven in deiner Position noch Bedingungen zu stellen? Ist dir klar, dass dein Leben und das deiner Freunde schon auf dem Verhandlungstisch liegen.“
Mir schlägt das Herz bis zum Hals, meine Hände sind eiskalt und verschwitzt, trotzdem sehe ich nicht weg. Diese eine Sache muss ich durchdrücken, wenn ich schon unser aller Seelen an den Teufel verkaufe.
Aaron wartet darauf, dass ich seinem ernsten Blick ausweiche, als ich es nicht tue sagt er: „Na schön. Amüsiere mich! Was willst du noch?“
„Wir alle haben kein zu Hause mehr, außer diese Fabrik. Wenn wir sie verlassen müssen, werden wir nicht lange genug am Leben bleiben, um dir von Nutzen zu sein.“
Aaron betrachtet mich noch lange Wortlos. Kalter Schweiß kriecht mir den Rücken hinab, mein Herz rast. Ich spüre mein Blut durch jede Ader schießen.
„Einverstanden!“, sagt er plötzlich und richtet sich dann an seine Tochter, „Kümmere dich um ihn!“ Robin beginnt zu strahlen. „Gern!“ Sie lässt sich elegant vom Tisch gleiten und packt mich an der Schulter, sie zieht mich auf die Beine und am Shirt mit sich. Verwirrt mustere ich sie und ihren Vater.
„Kein Wort mehr, einfach rausgehen“, flüstert sie mir zu und stößt mich in den Flur.
„Ach und Robin!“ Sie dreht sich nach ihrem Vater um, „Beim nächsten mal, steck ihn vorher in die Badewanne und zieh ihm was anständiges an.“
Ich sehe an mir hinab und dann fragend zurück ins Büro. Aaron öffnet die Fenster. Als ich Luft hole, um etwas zu sagen, drück Robin mir in den Rücken und schiebt mich zur Treppe. „Kein Wort!“, rät sie mir und drängt mich die Stufen hinab.
Ich wage nichts mehr zu sagen, bis wir das Haus verlassen haben, erst dann will ich es endlich wissen: „Heißt das jetzt, deine Leute verschwinden und ihr lasst uns in Ruhe?“
„Nein, es heißt, ich bin jetzt Dauergast bei euch und mache aus dir einen brauchbaren Bandenchef.“ Mir bleibt der Mund offen stehen. Ich weiß nichts darauf zu sagen, begreife noch gar nicht, was das alles zu bedeuten hat.
Robin steuert ohne Umwege ihr Motorrad an. „Los, steig auf!“, fordert sie harsch und setzt sich Helm und Brille auf. Wie automatisiert tue ich was sie sagt. Alles erscheint mir wie weit weg, irgendwie nicht real.

Der Weg zurück zur Fabrik zieht ungesehen an mir vorbei. Verzweifelt versuche ich zu begreifen, was eben passiert ist und auf was ich mich da eingelassen habe. Aaron hat mit keiner Silbe erwähnt, um was für Jobs es sich handelt.
„Was genau müssen wir denn jetzt eigentlich tun, damit ihr nicht wieder kommt und uns über den Haufen schießt?“, will ich von Robin wissen.
„Du hast wirklich keine Ahnung, was?“
Ich schüttle mit dem Kopf.
„Na ich würde mal denken, wir fangen mit Botengängen an, arbeiten uns zu Raub und Einbruch hoch und wenn dein Kumpel so ein guter Schütze ist, wie sein Ruf vermuten lässt, sind irgendwann vielleicht sogar Auftragsmorde drin.“
„Ist das dein Ernst?“, will ich entsetzt wissen.
„Ja! Vielleicht würde sich in eurer großen Fabrik auch Schmuggel und Verschiebung lohnen. Es wäre auch Platz genug für ein Speakeasy und Glücksspiel. Mhm, ich lass mir was einfallen.“
Je mehr Robin sich in Ideen verliert, um so mehr spüre ich eine imaginäre Schlinge, die sich immer fester um meinen Hals zuzieht. „Robin, wir sind nur einfache Straßenkinder. Wir verstehen von all dem nichts.“
„Dafür habt ihr ja mich.“ Wieder legt sich ein seltsamer Glanz in ihre Augen und ein fröhliches Lächeln auf ihre Lippen. Ich atme immer schwerer und kämpfe unentwegt gegen die Tränen an, die sich mir in den Blick drängen.
Als wir die Fabrik erreichen, sehe ich sofort durch die Fensterfront in die Halle. Die Männer stehen noch immer dort herum, in ihrer Mitte sitzen meine Freunde auf dem Boden. Sie leben noch. Erleichterung breitet sich in mir aus. Ich springe von Robins Motorrad, noch bevor sie es angehalten hat und renne der Eingangstür entgegen. Immer deutlicher kann ich die Waffen in ihren Händen sehen.
„Enrico, warte. Ich regle das!“, ruft Robin mir nach, doch ich kann nicht mehr warten. Zu viele Ängste habe ich in den letzten Minuten aushalten müssen. Ich will zu Toni und den Anderen und diese Typen endlich rausschmeißen. Ohne nachzudenken platze ich in die Halle. Sofort richten sich alle Blicke auf mich. Ich hole tief Luft und schreie sie an: „Raus hier! Haut ab!“
Robin tritt hinter mich und legt mir ihre Hand über den Mund. Sie drückt mich eng an sich und gibt mir keine Chance, mich zu befreien. Jeden ihrer Männer betrachtet sie ernst. „Wir ziehen ab!“, verkündet sie. Nur murrend packen die Kerle ihre Waffen weg und verlassen den Kreis, den sie um meine Freunde gebildet haben. Hinter mir und Robin verlassen sie die Fabrik. Finster schaue ich ihnen nach. Als auch der Letzten gegangen ist, sieht Robin mahnend auf mich herab. Mit ihrer Hand drückt sie mir auch noch die Nase zu und lässt mir keine Möglichkeit zum Atmen. Panisch greife ich nach ihren Fingern und versuche sie von meinem Gesicht wegzuziehen, doch es gelingt mir nicht.
„Um meine Männer kümmer ich mich immer noch selber, du größenwahnsinniger Spinner! Tu so was nie wieder! Verstanden?“, droht sie.
Ich nicke schnell. Sie wartet noch einen Moment, schließlich gibt sie mich frei und stößt mich in Richtung meiner Freunde. Ich falle über meine eigenen Beine und stürze zu Boden. Hastig ringe ich nach Atem und sehe vorwurfsvoll zu ihr zurück.
„Ich komme Morgen wieder und dann sehen wir mal, was ich aus eurem erbärmlich Haufen machen kann.“ Sie dreht sich um, wirft dabei elegant ihre Haare zurück und geht. Kurz darauf ist lautes Motorengeheul zu hören. Eines nach dem anderen verlassen ihre Maschinen das Fabrikgelände.
Ich sehe ihnen nach und schaffe es einfach nicht, wieder aufzustehen. Mir ist so entsetzlich kalt, ich zittere.
„Enrico?“ Toni taucht vor mir auf, er kniet sich zu mir.
Ich greife nach dem Stoff seines Shirts und kralle mich daran fest. Meine Stirn lehne ich gegen seinen Oberkörper.
„Es tut mir leid!“
„Du zitterst ja am ganzen Körper. Was haben die mit dir gemacht?“, will er immer wieder wissen und hält mich an den Oberarmen fest.
„Es tut mir leid...“, stammle ich.
„Was denn?“
„Ich habe einen Pakt mit diesen Aaron geschlossen!“, bricht es aus mir heraus.
„Was für einen Pakt?“
„Er hätte euch sonst alle getötet“, versuche ich mich zu entschuldigen.
Toni rüttelt mich an den Schultern und sieht mich eindringlich an. „Was hast du mit ihm ausgemacht?“
„Wir müssen für ihn arbeiten.“
„Das ist alles?“ Ein ungewöhnliches Lächeln breitet sich auf Tonis Gesicht aus.
Irritiert betrachte ich ihn. „Ja?“
„Gott, du bist unglaublich. Wie hast du das nur geschafft? Du verrückter Spinner, du“, lacht er und umarmt mich fest. Ich begreife seine gute Laune nicht, in mir ist alles wie zu Eis erstarrt. Was um mich herum geschieht, nehme ich nur noch, wie in Watte gepackt war. Leer starre ich vor mich hin.
Raphael tritt zu uns. Aufgebracht verlangt er zu wissen: „Für ihn arbeiten. Was soll das alles bedeuten? Was geht hier vor?“
Tonis Stimme bleibt so beschwingt, wie eben. „Enrico muss mit dem Chef der Locos verhandelt haben. Keine Ahnung wie er's hinbekommen hat, aber von jetzt an, stehen wir unter dem Schutz der italienischen Mafia!“, verkündet er stolz.

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Nur wer die Hölle kennt, weiß den Himmel zu schätzen.
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43. Kapitel ~Der Pate der Locos~
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